Volle Breitseite gegen die "Ösl"

3. Dezember 2004, 15:34
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Die Österreichische Stromlösung - genannt "Ösl" - sollte am 1. Jänner operativ starten - Mehreres spricht und arbeitet dagegen

Wien - "Ich brauche sie heute nicht mehr", sagte Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl. Einen Tag vorher tönte Claus Raidl, Böhler-Chef und einer der Wirtschaftsberater des Kanzlers, er sehe eine gewisse "Re- Monopolisierung" durch die Kooperation von Verbund und EnergieAllianz (EVN, Wien Energie, Energie AG Oberösterreich, Linz AG, Bewag).

Die Österreichische Stromlösung - in der Diskussion hat sich längst das einstmals interne Kürzel "Ösl" etabliert - ist ungeliebt bei der Wirtschaft. Diese leidet unter hohen Strompreisen, die sich einerseits aus den marktbedingt gestiegenen Energiepreisen, andererseits aber auch aus den diversen "politischen" Zuschlägen sowie den Netzgebühren ergeben. Leitl fordert niedrigere Netzgebühren, in Summe sollten die Strompreise um zehn Prozent sinken.

"Markt ist kein Synonym für immer währende Preissenkungen"

Der Verband der Elektrizitätsunternehmen Österreich weist die Kritik erwartungsgemäß zurück: "Markt" sei "kein Synonym für immer währende Preissenkungen", heißt es.

Der Start der "Ösl" werde indessen weiter vorbereitet, hört man von den beteiligten Unternehmen. Der ursprünglich vorgesehene Start 1. Jänner 2005 wird sich aber nicht ausgehen, da das Ergebnis der Prüfung durch die Bundeswettbewerbsbehörde - aus politischen Gründen - noch abgewartet werden soll.

Die Wettbewerbshüter wollen sich unter anderem ansehen, warum der Wettbewerb der Stromanbieter in Österreich so abrupt gestoppt habe. Bis Ende November wurde ein Zwischenbericht, bis Ende des Jahres ein Ergebnis abgewartet.

"Sollte die Bundeswettbewerbsbehörde hier wilde Absprachen feststellen, wäre das für die Ösl nicht gerade förderlich", so ein Brancheninsider. Dass Leitl das Thema Energie bis zu den Kammerwahlen im März weiter anheizen wird, davon gehen alle Beteiligten aus. (szem/DER STANDARD Printausgabe, 12.11.2004)

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