Kapital im Zwischenstock

24. September 2007, 15:01
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Mezzaninkapital hat viele Vorteile, aber auch einen relativ niedrigen Bekanntheitsgrad bei KMUs

"Viel Überzeugungsarbeit" sei notwendig, um kleine und mittlere Betriebe den Finanzierungsformen abseits des Bankkredits ein Stück näher zu bringen, meint Matthias Bischof, Leiter der Abteilung Förderpolitik des austria wirtschaftsservice (aws). Eine dieser vernachlässigten Finanzquellen sei das Mezzaninkapital, eine Mischung aus Fremd- und Eigenkapital ein so genanntes "hybrides Finanzierungsinstrument".

In späteren Phasen

Mezzaninkapital ist aus mehreren Gründen gerade für KMU besonders gut geeignet: Es wird üblicherweise in späteren Unternehmensphasen eingesetzt, praktisch nie bei Gründungen und in frühen Unternehmensphasen. Damit schließt Mezzaninkapital eine Lücke, die Seedfinanzierungen und Venture Capital zurück lassen.

Zudem verlangen Mezzaninkapitalgeber in der Regel keine, oder gegebenenfalls nachrangige, Sicherheiten. Nachrangig ist auch das Kapital selbst bei der Liquidation des Unternehmens: Erst werden die Gläubiger befriedigt, dann die Mezzaninkapitalgeber.

Mischform

Mezzaninkapital ist in manchen Aspekten dem Eigenkapital ähnlich - so steht es dem Unternehmen langfristig für Haftungen zur Verfügung und nimmt an Wertsteígerungen des Unternehmens teil. Die hohen Kosten in Gewinnjahren (rund 15 Prozent) werden als größter Nachteil der Mezzaninfinanzierung gesehen.

Im Gegensatz zu den verschiedenen Eigenkapitalsformen ist Mezzaninkapital jedoch verzinslich und tilgungspflichtig. Wie diese Zahlungen erfolgen, steht Kapitalgeber und Kapitalnehmer jedoch frei. So kann der Tilgungszeitpunkt der Liquiditätslage des Unternehmens angepasst werden. Zudem steht es den Beteiligten frei, anstatt der Rückzahlung eine Umwandlung in Unternehmensanteile zu wählen.

"Geschickt vorgehen"

In der flexiblen Ausgestaltungsmöglichkeit liege auch der größte Vorteil der hybriden Finanzierung, sagt Eva Eberhartinger, Universitätsprofessorin für Steuerlehre an der WU Wien: "Mezzaninkapital kann sehr maßgeschneidert angeboten werden. Abhängig von der Ausstattung wird es in der Bilanz dann als Eigenkapital oder Fremdkapital ausgewiesen, je nachdem, was das Unternehmen gerade braucht." So sei ein als Fremdkapital bilanziertes Instrument steuerlich abzugsfähig, ein als Eigenkapital ausgewiesener Bilanzposten verbessere hingegen die Bonität. "Wer geschickt vorgeht, kann sogar ein und dasselbe Instrument in der Handelsbilanz als Eigenkapital, in der Steuerbilanz aber als Fremdkapital ausweisen", erklärt Eberhartinger.

"Sollten mehr genutzt werden"

Besonders gewiefte Finanzjongleure könnten durch den Einsatz grenzüberschreitender Mezzaninfinanzierungen sogar eine "doppelte Nichtbesteuerung" erreichen, so die Uniprofessorin, die der Meinung ist, dass "hybride Finanzierungsinstrumente generell mehr genutzt werden sollten".

Mezzaninkapital komme für stark expandierende Unternehmen, für Betriebsnachfolgen, aber auch für Sanierungsfälle in Frage, sagt Karl Sevelda, Vorstandsdirektor der Raiffeisen Zentralbank (RZB). Voraussetzungen sind jedenfalls eine stabile Ertragsbasis und das Bestehen eines Kredits, denn Mezzaninkapital sei lediglich eine Form der Zusatzfinanzierung. Zudem "sehen wir es gern, wenn das echte Eigenkapital höher ist als das Mezzaninkapital", so Sevelda. (mas)

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    Mezzaninkapital ist in der Etage zwischen Eigen- und Fremdkapital angesiedelt

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