Wissenschafterinnen sprechen anders, Wissenschafter auch

6. Dezember 2004, 11:45
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Uni Salzburg: Erika Weinzierl-Preise 2004 für ausgezeichnete Arbeiten zu Gender-Themen vergeben

Salzburg - Dass auch im Wissenschaftsbetrieb Frauen meist anders sprechen als Männer, zeigt Ulrike Heiglmaier in ihrer Diplomarbeit, für die sie am 15. November mit dem Erika Weinzierl-Preis 2004 ausgezeichnet wurde.

Allerdings bestimmt, so die Autorin, nicht nur das Geschlecht der DiskutantInnen das Sprachverhalten der TeilnehmerInnen von wissenschaftlichen Diskussion. Auch andere Faktoren spielen dabei eine wichtige Rolle, so etwa, ob man dabei die Muttersprache verwenden kann oder nicht. Heiglmaier fand dies bei der Beobachtung einer englischsprachigen Konferenz an der Kultur- und Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät heraus.

Gedenken an große Wissenschafterin

Der Erika Weinzierl-Preis für hervorragende Diplomarbeiten und Dissertationen zu frauen- bzw. geschlechtsspezifischen Fragestellungen wird heuer zum zweiten Mal vergeben. Er wurde vom Zentrum für Gender Studies und Frauenförderung an der Universität Salzburg initiiert und von den Frauenbüros des Landes und der Stadt Salzburg sowie vom Frauenreferat der Österreichischen Hochschülerschaft finanziert.

Weiters wird jeweils ein Förderpreis, finanziert aus Mitteln des Salzburger Kulturfonds, vergeben. Den Erika Weinzierl - Förderpreis 2004 erhält Christine Molnar für ihre Diplomarbeit, in der sie Möglichkeiten aufzeigt, wie das Thema sexueller Missbrauch im Biologieunterricht behandelt werden kann.

Die Preise sind nach der "Grande Dame der österreichischen Zeitgeschichtsforschung" Erika Weinzierl benannt. Sie hat in den 1960er und 1970er Jahren an der Universität Salzburg gewirkt. Ihr 1975 erschienenes Buch "Emanzipation? Österreichische Frauen im 20. Jahrhundert" war die erste umfassende und öffentlichkeitswirksame Bestandsaufnahme der gesellschaftlichen Realität von Frauen in unserem Land.

Auch weibliche Wissenschaftssprache hat Macht

Wie Elisabeth Klaus, Fachbereich Kommunikationswissenschaft, zur Arbeit von Ulrike Heiglmaier betont, kam diese mittels eines neuen Untersuchungsinstrumentariums zu eher überraschenden Ergebnissen. So zeigte sich ein deutlicher Unterschied im Sprachverhalten von Wissenschafterinnen und Wissenschaftern. Doch ein "weiblicher", das heißt stärker sachorientierter Sprachstil, bedeute nicht – wie bisher angenommen – unbedingt auch weniger Sprachmacht in der wissenschaftlichen Diskussion. Auffallend sei zudem, dass jene TeilnehmerInnen, für die die Konferenzsprache - im konkreten Fall Englisch - nicht die Muttersprache war, eher "weiblich" sprachen als Native Speaker. "Die Resultate der Pilotstudie regen zu weiteren Forschungen über männliche und weibliche Wissenschaftssprache und Macht an", so Klaus.

Mehr Wissen zu sexuellem Missbrauch hilft vorbeugen

Dagmar Stranzinger, Frauenbüro der Stadt Salzburg, würdigte Christine Molnars Arbeit, wegen ihrer Bedeutung für die Praxis. Sie liefert den Biologie-LehrerInnen kompaktes Wissen zum brisanten und nach wie vor tabubehafteten Thema des sexuellen Missbrauchs von Kindern und leistet damit einen wertvollen Beitrag zur Prävention. Weiters gibt Molnar konkrete Anregungen, was zu tun ist, wenn ein konkreter Missbrauchsverdacht besteht. (red)

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    Die Namensgeberin der Preise und Grande Dame der österreichischen Zeitgeschichtsforschung, Erika Weinzierl
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