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23. Dezember 2004, 14:12
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Mit einer originellen und wohl geformten Accessoires-Kollektion bringt "Insieme formintegriert" gutes Design mit der handwerklichen Fertigung durch Sozialeinrichtungen zusammen

Also das mit dem Salz- und Pfefferstreuer ist eine gefinkelte Sache: Man nehme das fein geölte Nussholzstäbchen aus dem Keramikbecher und halte es wie eine gut gerollte Havanna zwischen Daumen und Zeigefinger. Sodann klopfe man leicht auf den Rücken des guten Stücks. Genau so, als wolle man die Asche einer Zigarre abklopfen. Auf diesem ungewöhnlichen, aber tadellos funktionierenden Weg gelangt die Würze in die Suppe und in einen Bereich der Designwelt, der bisher eher von karitativem Wohlwollen der Kundschaft geprägt war.

Der Gewürzstreuer "stick together" ist neben einer ganzen Menge an Vasenneuheiten, einem hölzernen Visitkarten- oder Zigarettenetui, bunten Kerzen in Flaschenform, Tischsets aus Filz und einem formal sehr strengen Vogelhäuschen nur ein Produkt aus der formentechnisch konsequent durchdachten Kollektion von Insieme, einem Geschäftszweig der Sozial-Handelsagentur Handover, die wiederum als ein Tochterunternehmen der Bischöflichen Stiftung St. Severin besteht.

Ziel des Projekts ist einerseits die Sensibilisierung für das Thema Arbeit und Menschen mit Handicaps und andererseits die Förderung des Stellenwerts von Behindertenarbeit. Cornelia Kessler, Projektleiterin von Insieme formintegriert, will weg vom Öko-Sozial-Bastel-Almosen-Touch und den kleinen Spenden, die besser Bemittelte aus schlechtem Gewissen locker machen für irgendein Stück, das kaum dem Design oder der Funktion wegen gekauft wird. Sie schafft das, indem sie ein in diesem Bereich weit gehend fehlendes Glied in die Kette zwischen Produkt und Käufer einsetzt: den Designer. "Es sollen aber nicht irgendwelche Designer sein. Die müssen schon ins Gefüge passen, formal wie unternehmensphilosophisch", sagt Kessler, die Frau für alles. Da ist sie streng - wohl nicht einmal ein Philippe Starck könnte ihr was aufs Auge drücken, das nicht dem Konzept von Insieme entspräche. Bis jetzt an Bord der seit August am Markt befindlichen Marke sind zum Beispiel das Büro Guggenbichler-Design und die Gestalterin Nadja Ebrahimzadeh.

Mit anderen Kreativen ist man in Verhandlung, "uns ist es wichtig, das Design gemeinsam mit den Gestaltern zu definieren", so die Projektleiterin. Kessler stellt den Kontakt her, fährt zu infrage kommenden Einrichtungen wie der Geschützten Werkstätte Tirol GmbH, der Caritas Oberösterreich, Jugend am Werk in Wien und gut zehn Institutionen mehr. Und Kessler dürfte wissen, wovon sie spricht, sie ist gelernte Tischlerin und Schneiderin und leitete auch selbst eine Behindertenwerkstatt. "Das ist wichtig, so kann ich die Grenzen der Machbarkeit besser ausloten", sagt sie.

Und wie sieht es mit dem Finanziellen aus? "Insieme ist ergebnisorientiert, das heißt, jeder Überschuss kommt karitativen Zwecken zugute. Die produzierenden Sozialwerkstätten, die Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen sowie Teilnehmer von Beschäftigungstherapien werden wie andere Produzenten bezahlt", so Kessler, der auch eine gerechte Preispolitik sehr wichtig ist, um jedes Klischee im Sinne von "das ist ja eh von Behinderten" zu bekämpfen.

Im Background fungiert die bereits erwähnte Sozial-Handelsagentur Handover

Kessler arbeitet mit den Designern und Handwerkern weit gehend allein, im Background fungiert die bereits erwähnte Sozial-Handelsagentur Handover, eine Tochterfirma der Stiftungsorganisation St. Severin, die sich unter anderem damit beschäftigt, überschüssige Waren und Dienstleistungen an den Sozialmarkt zu vermitteln sowie Produkte für den Alltagsbedarf von Sozialorganisationen zu beschaffen.

15.000 Objekte, die übrigens auch sehr ansprechend verpackt werden, würde Insieme gern im Jahre 2005 verkaufen, im Schnitt kosten die gar nicht alltäglichen Alltagsgegenstände 25 Euro. An den emsig werkenden Produzenten dürfte es nicht scheitern, auch nicht am Design, denn das hat es drauf, mithalten zu können am großen Markt großer Namen, die es sich beruhigenderweise auch immer mehr gefallen lassen müssen, auf Funktion, Form und Qualität, also Herz und Nieren des Designs, geprüft zu werden. (DERSTANDARD/rondo/Michael Hausenblas/12/11/04)

Infos über Bezugsquellen von Insieme-Produkten:
Tel: 0676/8776 7898,
insieme-formintegriert
oder
cornelia.kessler
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    foto: insieme-formintegriert
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