Hohe Hürden und kleine Klippen

15. Dezember 2004, 12:27
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Die UEFA tagte in Wien, auch wegen der Euro 2008 - Verbandsboss Johansson und seine "Untertanen" gaben ein interessantes Bild ab

Wien - UEFA-Präsident Lennart Johansson hat die bemerkenswerte Gabe, auch dann mürrisch dreinzuschauen, wenn er zum Beispiel sagt: "Alles ist im Lot, wir sind jetzt auf dem richtigen Weg." ÖFB-Boss Friedrich Stickler ist quasi die Antithese zum von der Figur wie der Position her ziemlich mächtigen Schweden. Er lächelt aus Prinzip, die gute Miene darf von der Qualität des Spiels sicher nicht abhängen, die lässt er sich nie und nimmer nehmen.

Schweizer Präsident kam ins Schwitzen

Der Präsident des Schweizer Verbandes (SFV) Ralph Zloczower wiederum machte dieser Tage in Wien einen gestressten Eindruck, seine Körpersprache kann so interpretiert werden: "Uff, gerade noch einmal gut gegangen." Er schwitzte ein wenig, aber doch permanent, das kann, muss aber nicht von den Scheinwerfern herrühren. Die drei Herren haben das so genannte "Staging Agreement" unterzeichnet, der Vertrag regelt die Zuständigkeiten die EM 2008 betreffend. Zwischen dem Rechtehalter UEFA und den beiden ausrichtenden Ländern, also der Schweiz und Österreich.

Zloczower lieferte quasi in letzter Minute ein viertes Stadion (fix waren Bern, Basel, Genf), nämlich den Letzigrund in Zürich. Die Leichtathletikarena soll für 115 Millionen Franken in ein fußballtaugliches Stadion umgemodelt werden, die genauen Pläne will man noch im Dezember vorlegen. Die Stadtregierung hat das Budget beschlossen, was fehlt, ist die Volksabstimmung im Juni 2005. Zloczower: "Da kann nichts passieren." Ursprünglich wollte man das Hardturm-Stadion bauen, das Projekt, bei der Bewerbung großartig vorgestellt, scheiterte am Einspruch der Anrainer. Noch einmal Zloczower: "Das war etwas anderes, das kann man nicht vergleichen." Ob man sich mit falschen Versprechungen den EM-Zuschlag erschlichen hat? "Nein, um Gottes Willen."

Der mürrische Präsident

Johansson, der Mürrische, wollte nicht dezidiert behaupten, "dass die Euro 2008 gewackelt hat". Er sei aber froh gewesen, dass sein interner Brief mit der Kritik an die Öffentlichkeit gelangt ist. "Wir haben nichts zu verbergen." Ob eine Endrunde mit sieben Stadien denkbar wäre? "Denkbar ist alles. Aber es waren acht vereinbart, daran hat man sich zu halten. Es geht nicht nur um die Schweizer, schließlich ist es eine gemeinsame Bewerbung. Da kann man sich nicht davonstehlen." Stickler lächelte trotzdem und sagte stolz: "Wir mussten Klippen umschiffen, nun sind wir voll auf Kurs, in manchen Dingen sogar dem Plan voraus."

Zloczower wird die Volksabstimmung möglicherweise nicht als Präsident erleben. Seine Wiederwahl im April gilt in der Schweiz als äußerst ungewiss. Er weiß trotzdem, dass Portugal die Latte sehr hoch gelegt hat, "die Euro 2004 war ein fantastischer Maßstab". Stickler stimmte dem lächelnd zu. Zloczower schwebt eine Kampagne vor: "Wir werden uns jung, modern, weltoffen präsentieren. Wir müssen weg von den Klischees Kühe, Konten, Schokolade, Milch und Almen."

Bundeskanzler überreichte Stadionverträge

Gestern Abend hat Bundeskanzler Wolfgang Schüssel das UEFA-Exekutivkomitee empfangen und dem mächtigen Johansson die frisch unterzeichneten Stadionverträge von Innsbruck, Klagenfurt, Salzburg und Wien überreicht. Der Schwede dankte und schaute übrigens gar nicht so mürrisch drein. (DER STANDARD Printausgabe 11.11.2004, Christian Hackl)

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    UEFA-Prasident Johansson, mit dem Schweizer Fußball-Oberhaupt Ralph Zloczower (R) udn ÖFB-Präsident Stickler (L)

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