Die Mukata in Ramallah als letzte Ruhestätte

16. November 2004, 22:55
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Hauptquartier, Gefängnis, Gedenkstätte für den "Vater der Nation"

Ramallah - Sein Hauptquartier in Ramallah - die "Mukata" - war für den palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat in den vergangenen drei Jahren gleichzeitig Zufluchtsort und Gefängnis. Jetzt soll er dort seine letzte Ruhe finden. Auf dem Gelände sollen nach dem Wunsch der palästinensischen Führung eine Gedenkstätte für den "Vater der Nation" und eine Moschee errichtet werden.

Seit seiner Errichtung in den Zwanzigerjahren des des vorigen Jahrhunderts wird der drei Quadratkilometer große Gebäudekomplex "Al Mukata" (Distrikt) militärisch genutzt. Während der Mandatszeit diente das Areal der britischen Armee als Hauptquartier, zugleich befanden sich dort ein Gericht und ein Gefängnis für bis zu 400 Insassen. Nach dem Abzug der Briten 1948 wurde die Mukata von Jordanien übernommen, das hier neben Gefangenen auch Offiziere und deren Familien unterbrachte.

Gefängnis

Im Sechs-Tage-Krieg 1967 fiel die Anlage in die Hände der Israelis. Die neuen Eigentümer richteten einen Kommandoposten zur Kontrolle des besetzten Westjordanlandes ein und sperrten in dem Gebäude aufständische Palästinenser ein. Nach dem Oslo-Abkommen wurde Al Mukata 1994 Sitz der Palästinensischen Nationalbehörde (PNA), darunter auch der Sicherheitsdienste. Arafat persönliche Büros befinden sich in einem neu gebauten Block im Inneren des Geländes. Wie die vormaligen Besitzer nutzten die Palästinenser den Komplex weiter als Gefängnis.

Die Stadt Ramallah liegt etwa zwanzig Kilometer nördlich von Jerusalem. Sie gehört zu der so genannten A-Zone, die nach den Bestimmungen der Oslo-Abkommen unter vollständiger Kontrolle der palästinensischen Regierung steht. Ramallah ist provisorischer Sitz des palästinensischen Parlaments, des Legislativrates. Auch Behörden und Ministerien sind in der Stadt untergebracht. Aus Ramallah hatten sich die israelischen Truppen wie aus den anderen größeren Städten des Westjordanlandes im Dezember 1995 zurückgezogen, nachdem sie 1994 zuerst den Großteil des Gaza-Streifens und die Stadt Jericho geräumt hatten.

Mit Beginn der Selbstverwaltung hatte in Ramallah ein Wirtschafts- und Bau-Boom eingesetzt. Im Raum der Stadt und ihrer Zwillingsstadt El Bireh leben nach Angaben der palästinensischen Statistikabteilung mehr als 200.000 Menschen. Nach der Ermordung des ultrarechten israelischen Tourismusministers Rehavam Zeevi im Oktober 2001 stieß die israelische Armee erneut nach Ramallah vor. (APA/dpa)

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