Glücksfall mit Einschränkungen

8. Februar 2005, 16:07
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Nur eine Gemeindesparkasse Bank Austria Creditanstalt wäre ein ernsthaftes Problem

Fast 4000 Mitarbeiter der Bank Austria Creditanstalt, die während der Dienstzeiten Protestveranstaltungen abhalten. Streikdrohungen der Bankangestellten und pauschale Kündigungen von Kollektivverträgen durch den Vorstand, dazu gegenseitige Ultimaten: Es ist der vermutlich heißeste Herbst in Österreichs Bankenbranche seit langer Zeit.

Und in der Belegschaft sowie bei Aktionären steigt der Unmut gegen den BA-CA- Mehrheitsaktionär, die HypoVereinsbank (HVB). Zuerst hätte das Münchner Institut die BA-CA - ganz ohne Geld in die Hand zu nehmen, nur für ein paar HVB-Aktien - von der Stadt Wien quasi geschenkt bekommen. Dann wären die HVB-Aktien ins Bodenlose gefallen, weil das deutsche Institut keine Gewinne zustande brächte. Nur die hohen Erträge aus Österreich würden die brustschwache HVB retten, und zum Dank müssten nun auch noch die Mitarbeiter der BA-CA wegen des großen Drucks und Geldbedarfs aus München Lohnkürzungen in Kauf nehmen.

Wozu also dieses Desaster, fragen sich ehemalige BA-Aktionäre, die durch den Tausch in HVB viel Geld verloren, Mitarbeiter und nicht wenige Politiker, die den Verlust an Einfluss bedauern.

Veränderungen

Der wichtigste Punkt, der hier unter den Tisch fällt: Die Bank Austria des Jahres 2004 ist nicht mehr die Bank Austria vor der Übernahme durch die HVB. Die Bank Austria bekam das ertragreiche Geschäft in den neuen EU-Mitgliedsstaaten von der HVB übertragen und wurde im Gegenzug von "Leichen" in verschiedensten dunklen Kellern jenseits des Atlantiks und Russlands befreit - Geschäften, die das Potenzial hatten, die Bank Austria locker an die Kippe zwischen Leben und Tod zu bringen (erinnert sei nur an die "Russland-Krise", die mehrere heimische Banken überaus hart traf). Diese damals latenten Risiken sind übrigens auch die Erklärung, warum sich die für alles haftende Gemeinde Wien doch überraschend rasch von der BA-CA trennte. Und auch die aktuell gute Ertragslage der österreichischen Bank ist Resultat dieser Aufteilung der Regionen: In Polen, Ungarn, Tschechien erreicht die BA-CA eine Eigenkapitalverzinsung von 20 Prozent, und fast die Hälfte der 623 Millionen Euro Vorsteuerergebnis, die das Institut heuer bis September erwirtschaftete, kommt aus dem Osten.

In Österreich liegt die Eigenkapitalverzinsung hingegen unter zehn Prozent und damit im internationalen Vergleich unter "ferner liefen". Der Gewinn verbleibt im Übrigen in Österreich und wird nicht nach Deutschland "abgeführt" - die HVB bekommt so wie die Kleinaktionäre nur die Dividende. Die Personalkosten stiegen seit 1999 trotz Sparmaßnehmen um 18 Prozent, doppelt so flott wie die Inflation - aufgrund von Spezialitäten im Dienstrecht wie PC-Zulagen, Hochzeitszuschüssen und automatischen Vorrückungen. Dazu kommen noch Anachronismen wie die "Definitivstellungen", also der Status der Unkündbarkeit.

Randa hat die Gunst der Stunde genutzt

Es ist leicht, sich auszumalen, wie die Verhandlungen um das Dienstrecht aussehen würden, hätte die Gemeinde Wien noch das Sagen. Immerhin war es ja die Gemeinde, die der Belegschaft Rechte einräumte, die weit in die Management- und Eigentümerebene hineinreichen. Natürlich könnte die Zusammenarbeit noch weit besser aussehen - denn die HVB ist ein ziemlich angeschlagener Konzern, der die Fusion von Bayerischer Hypothekenbank und Vereinsbank bis heute nicht völlig verarbeitet hat und am deutschen Heimmarkt dementsprechend müde agiert.

Die Frage, ob die HVB damals die beste Lösung für die Bank Austria war, ist legitim - doch so viele Alternativen hat der BA-Chef Gerhard Randa nicht gehabt, aus dem Dunstkreis der Politik auszubrechen, und er hat die Gunst der Stunde genutzt. Unter Einbeziehung der Alternativen ist aus der Übernahme der Bank Austria also ein Glücksfall mit einigen gewichtigen Einschränkungen geworden. Aber immer noch ein Glücksfall. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.11.2004)

Von Michael Moravec
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