Exporte nach Deutschland boomen

2. Dezember 2004, 16:20
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Österreichischer Außenhandel mit Nord- und Westeuropa gewinnt nach Flaute 2003 wieder an Fahrt - Ein Drittel der Ausfuhren geht nach Deutschland

Wien - Die Region Nord- und Westeuropa mit Österreichs wichtigstem Handelspartner Deutschland hat sich nach einer Flaute 2003 im heurigen Jahr wieder als eine der wichtigsten Säulen des heimischen Außenhandels erwiesen. Von Jänner bis August 2004 sind die Ausfuhren in dieses "allgemein recht schwierige Terrain" um durchschnittlich 8 Prozent gestiegen, berichtete Walter Koren, Leiter der Außenwirtschaft Österreich (AWO) in der Wirtschaftskammer, am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Insgesamt gehen mit 47,8 Prozent knapp die Hälfte aller österreichischen Exporte in die Länder Nord- und Westeuropas.

Österreichische Nahrungsmittel in Deutschland gefragt

Besonders erfreulich sei die Entwicklung der Ausfuhren zu Österreichs wichtigstem Handelspartner Deutschland verlaufen. Ein Drittel der österreichischen Gesamtexporte gehen nach Deutschland. In den ersten acht Monaten 2003 legten die Ausfuhren um 11,7 Prozent zu. Die österreichische Exportwirtschaft und insbesondere österreichische Zulieferbetriebe im Kfz- und Maschinenbau-Bereich, aber auch in der Anlagenindustrie profitieren besonders von der Gesundung der deutschen Exportwirtschaft: "Österreich exportiert doppelt in die Welt. Einerseits direkt und andererseits indirekt als Zulieferer für die deutschen Exportbetriebe," so Koren. Ein "Schmankerl" sei zudem die Erfolgsgeschichte österreichischer Nahrungsmittel in Deutschland.

Die intensive Verflechtung im Warenverkehr zeige sich auch in der Entwicklung der gegenseitigen Direktinvestitionen. Deutsche Investitionen machen 39,4 Prozent der gesamten ausländischen Direktinvestitionen in Österreich aus. Demgegenüber ist Deutschland mit einem Anteil von 18 Prozent vom Gesamtkapital das wichtigste Zielland bei den österreichischen Direktinvestitionen im Ausland.

Exportplus von acht Prozent erwartet

Deutschland werde schlechter dargestellt als es ist, betonte der Handelsdelegierte in Berlin, Walter Pöschl. Es gebe viele boomende Regionen, wenn auch Deutschland ein sehr regionalisierter Markt sei. Jede österreichische Firma, die ein gutes Produkt habe, könne dieses auch in Deutschland verkaufen, zeigte sich Pöschl überzeugt. Für das Gesamtjahr rechnet der Handelsdelegierte mit einem Exportplus nach Deutschland von rund 8 Prozent.

Wegen einem statistischen Ausreißer weisen die Daten für die Schweiz, Österreichs viertgrößtem Handelspartner, in den ersten acht Monaten 2004 ein Minus von 11,9 Prozent aus. Flugzeuge, die zum Service nach Österreich geliefert werden, werden statistisch sowohl beim Import als auch bei der Wiederausfuhr mit ihrem Gesamtwert erfasst. Das um diese Verzerrungen "bereinigte" Bild des Außenhandels ist laut Handelsdelegiertem Klaus Zyla erfreulicher: Demnach sind die österreichischen Lieferungen leicht um rund 3 Prozent angestiegen. Die gute Positionierung Österreichs in der Schweiz zeige sich unter anderem daran, dass die Hälfte aller Schweizer Casinos von österreichischen Unternehmen betrieben werden und dass es kaum ein Schweizer Tunnelprojekt ohne österreichische Beteiligung und Know-How gebe, so Koren.

Österreich punktet in Nischen

Über Erfolge im Außenhandel berichten auch die rund 2.000 heimischen Firmen, die am britischen Markt tätig sind. Dokumentiert werde dies damit, dass Österreich mit Großbritannien sowohl 2002 (1,59 Mrd. Euro) als auch 2003 (1,65 Mrd. Euro) jeweils das höchste Handelsbilanzaktivum weltweit erzielte, sagte Walter Koren, Leiter der Außenwirtschaft Österreich (AWO) in der Wirtschaftskammer, am Dienstag bei einer Pressekonferenz.

Die für die ersten acht Monate 2004 vorliegenden Außenhandelszahlen (Ausfuhr: 2,3 Mrd. Euro, plus 2,7 Prozent; Handelsbilanz: plus 1,2 Mrd. Euro) würden diese Entwicklung belegen. Österreich Unternehmen punkten vor allem in Nischenbereichen mit Produkten, die über dem technischen Standard liegen, erläuterte der Handelsdelegierte in London, Gerhard Müller. Unter anderem sei die größte Biodieselanlage der Welt in Großbritannien von einem österreichischen Unternehmen errichtet worden. Auch die Fassade und das Glas für das als "Gurke" oder "The Gherkin" bekannte Hochhaus in London stammen aus Österreich. Für das Gesamtjahr rechnet Müller mit einem Ausfuhrplus nach Großbritannien von 4 Prozent.

Große Chancen im irischen Baugewerbe

Die österreichischen Exporte in die Niederlande stiegen in den ersten acht Monaten 2004 um 0,33 Prozent. Erfreulich sei vor allem der hohe Zuwachs bei den Lieferungen von Lebensmittelprodukten. Belgien nimmt sowohl als Liefer- als auch als Bezugsland für Österreich den 13. Platz ein. Nicht berücksichtigt in der Statistik seien die Dienstleistungsexporte, die an Bedeutung gewonnen haben. Schweden nimmt den achten Platz unter den Handelspartnern innerhalb der EU-15 ein. Die österreichischen Ausfuhren nach Schweden stiegen um 4,5 Prozent. Auf Grund der steigenden Industrieinvestitionen in Schweden könne für den Rest des Jahres mit einem beschleunigten Wachstum der Ausfuhren von 6 bis 7 Prozent gerechnet werden.

Die Exporte nach Irland haben nach kräftigen Wachstumsraten in den 90er Jahren zuletzt an Dynamik eingebüßt. Die Exportstatistik für die ersten acht Monate 2004 weise zwar ein Exportplus von 82,3 Prozent aus, darin seien jedoch - wie mit der Schweiz - auch temporäre Flugzeugeinfuhren enthalten. Chancen für die österreichische Exportwirtschaft ergeben sich aus dem großen Bedarf der irischen Bauwirtschaft, hieß es. (APA)

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