Schreckliche Wahrheiten des Michael Moore

17. Dezember 2004, 15:29
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"The Awful Truth" ist zwar nicht neu, aber von zeitloser Schönheit - zu sehen auf ATV+

Neben der medialen Aufregung rund um die Fernsehpremiere von Michael Moores "Fahrenheit 9/11" geriet seine nicht ganz so aktuelle Serie "The Awful Truth" auf ATV+ ein wenig ins Hintertreffen. Der österreichische Privatsender zeigt zwei Staffeln mit jeweils 12 Folgen, zu sehen immer Dienstag Abend um 22.15 Uhr.

"The Awful Truth" ist zwar nicht neu, aber doch von zeitloser Schönheit. Die Show lief 1999 bei Bravo, zu einer Zeit, da die Clinton-Lewinsky-Affäre ihrem Höhepunkt entgegensteuerte. Dass Moore zu dem Thema einiges einfiel, war letzte Woche zu sehen: Streng gläubige Baptisten, die angesichts von Kenneth Starrs detailbegabten Schilderungen reihenweise in Ohnmacht fielen, darob zu einem Kreuzzug antraten und überall im Land auf gar fürchterliche Obszönitäten stießen.

Nach Clinton/Lewinsky war das Land buchstäblich erotisiert, was Michael Moore dazu animierte, mit einem rosa Wohnmobil für die Rechte von Schwulen und Lesben zu kämpfen. Die Wirkung eines stark ruckelnden Fahrzeugs am Straßenrand scheint für Amerikaner in Wyoming alarmierend genug. Jedenfalls sorgten Moores singende, tanzende und schmusende Homosexuelle für einiges Aufsehen und schlugen letztlich sogar den reaktionären Geistlichen in die Flucht.

Für Amerikaskeptiker ist das hinreißend anzusehen, Moore spielt die Großkopferten kaltschnäuzig an die Wand. Das funktioniert auch Jahre später tadellos. Man mag dem amerikanischen Dokumentarfilmer Populismus und Einseitigkeit vorwerfen, sein Handwerk versteht er. (prie/DER STANDARD, Printausgabe, 9.11.2004)

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    foto: atvplus
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