Suha Arafat

12. November 2004, 19:20
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"Madame Susu" hielt es nicht in Palästina

"Der Frau von Abu Ammar ist nie langweilig", sagte Suha Arafat einmal, demonstrativ den Kriegsnamen ihres Gatten verwendend, auf die Frage nach dem großen Altersunterschied von 34 Jahren. "Ich bin mit einem Mann verheiratet, der Geschichte macht."

Nun versucht die turbulente 41-jährige Sorbonne-Absolventin, die von Spöttern "Madame Susu" gerufen wird und deren Lebensstil so ganz und gar nicht zur palästinensischen nationalen Revolution zu passen scheint, offenbar selbst Geschichte zu machen: indem sie sich als Nachlassverwalterin der palästinensischen Symbolfigur positioniert und sich offen mit den designierten Nachfolgern anlegt, die sie nie leiden konnte.

Begegnet waren der stoppelbärtige "Keffiyeh"-Träger und die damals noch braunhaarige Suha Tawil, das vierte von fünf Kindern eines wohl bestallten christlichen Bankiers aus Ramallah, einander erstmals 1989 in Bagdad. "Es war Liebe auf den ersten Blick", erinnerte Suha sich später. Sie war sofort bereit, Yassir Arafat als Assistentin nach Tunis zu folgen.

Der hatte angeblich geschworen, erst dann zu heiraten, "wenn Palästina befreit ist" – vielleicht hielt man deswegen die 1990 geschlossene Ehe zwei Jahre lang geheim. Als Vermittlerin zwischen den beiden soll Suhas Mutter Raymonda Tawil, eine bekannte Journalistin mit guten Kontakten zur israelischen Linken, sehr aktiv gewesen sein. Doch wenn die Mutter der Braut auf eine Rolle als Königin-Mutter am palästinensischen Hof spekuliert hatte, so wurde sie bitter enttäuscht – Raymonda Tawil ist seit Langem mit Tochter und Schwiegersohn zerstritten.

Arafat war erstaunt darüber, wie viele Paar Schuhe seine elegante junge Frau, die für ihn zum Islam konvertiert war, in die Ehe mitbrachte, und schon in Tunis stritt sie sich mit den Beratern um den Einfluss auf den Chef, den Suha "mein Alter" nannte. Mahmud Abbas, die Nummer zwei der PLO, verhinderte im September 1993 Suhas Anwesenheit bei der Unterzeichnung des Oslo-Vertrags in Washington – ihr gestyltes Auftreten hätte bei den Massen in den Flüchtlingslagern einen Imageschaden verursacht.

1994 zog Suha mit ihrem Mann in Gaza ein, fühlte sich aber in den beengten Verhältnissen und in dem feucht-heißen Klima nie wohl. Viele Augenbrauen hoben sich, als die First Lady Arafats einziges Kind, die inzwischen neunjährige Zahwa, in Paris und nicht in der Heimat zur Welt brachte. Die Aufenthalte in der Lichterstadt wurden immer länger, und wenige Monate nach dem Ausbruch der Intifada ließ sich Suha mit ihrer Tochter endgültig dort nieder.

Seither hörte man von ihr, dass sie sorgfältig ihre Designerkostüme und -taschen auswählt und mit Schwestern von Königen und Frauen von Finanzmagnaten verkehrt. (Ben Segenreich/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.11.2004)

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