Politik als Mosaikstein des Wohlbefindens

15. März 2005, 10:18
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Familie, Freunde, Hobbys oder Politik: Was wirklich ausschlag-gebend ist für das Glücksprinzip von Teenagern und was es schmälert

"Ich fühl mich wohl, weil es mir in der Schule und mit Freunden gut geht", zeigt Gregor Weislein (15) seine Glücksfaktoren auf. In einer aktuellen Studie des FOCUS Institutes unter 750 Personen, stuften nur 38 Prozent die Lebenssituation Jugendlicher zwischen 14 und 25 Jahren als "sehr gut" ein. Kindern bis 13 Jahren geht es laut der Umfrage am besten.

Psychischer Druck

"Bei Jugendlichen kommt psychischer Druck dazu", erklärt sich Lisa Ulrich, Chefredakteurin der Jugendzeitschrift Xpress das Ergebnis. Dieser werde durch die triste Arbeitsmarktsituation und der Frage nach der richtigen Ausbildung ausgelöst. Nach einer im September veröffentlichten Jugendstudie von Xpress, beschäftigen sich 43 Prozent der 2000 Befragten mit ihrer Weiterbildung. Untersucht wurden Trends bei 12- bis 19- Jährigen wobei Musik mit 69 Prozent den größten Teil der Freizeit einnimmt. Nur acht Prozent gaben an, Interesse für Politik zu haben. Raphaela Zahlbruckner (15) bestätigt diese Aussage. Wichtig sei für sie zum Beispiel die Familie, aber nicht Politik. "Jugendliche sind an Politik nicht weniger interessiert als Erwachsene", widerspricht Reingard Spannring, Projektleiterin des Österreichischen Instituts für Jugendforschung. Mitsprache in der Politik wäre erwünscht, es gäbe aber Frustration und das Gefühl unverstanden zu sein. "Viele gehen zu Demonstrationen, aber die Politik reagiert nicht." Auch der Politologe Peter Filzmaier spricht diese Art der scheinbaren Ohnmacht an. Jugendliche würden sich für Politik interessieren, nur eben anders, sagt er zum Schüler Standard.

Mehr als Erwachsene beschaffen sie sich Informationen über das Internet. Infragestellt Filzmaier die Vermittlung von politischen Themen. "Wenn Schüler etwas über die EU lernen, ist es eine Sache, ihnen die Institutionen zu lehren, eine andere, ihnen verständlich zu machen, dass das auch sie betrifft. Politik ist ein kleiner Mosaikstein, der zu unserem Befinden bei trägt". Für Martin Riefenthaler (18) steht Politik nicht direkt in Verbindung mit Wohlbefinden, nimmt aber eine wichtige Position ein: "Wirtschaftliche Krisen, Kriege oder die US-Wahl sind Faktoren die uns Jugendliche beschäftigen, unsere Lebenssituation aber nicht unmittelbar beeinflussen." "Ab dem Alter von 15 denken viele gesellschaftspolitisch. Sie fragen sich, wie sich die jetzigen Entwicklungen in ihrer Generation auswirken werden", meint Beate Großegger vom Institut für Jugendkulturforschung. Möglichkeiten sich zu beteiligen wären wichtig, zur Lösung der Probleme Jugendlicher sei aber auch ein Umdenken Erwachsener nötig.

Wandel der Werte

Marion Friedwagner (16) bringt einen anderen Aspekt ein. Sie macht für das Missbefinden den Druck durch "Idealbilder aus Hollywood" verantwortlich. "Die Werte haben sich stark verändert, Statussymbole zählen viel zu viel", meint auch Raphael Mayrhofer (18). Sein Glücks prinzip: "Man fühlt sich wohl, wenn man weiß, was man mit seinem Leben anfangen will und einen Plan hat." "Wichtig ist, dass man das Gefühl hat, dass das was man tut, einen Sinn hat", sagt Jugendforscher Manfred Zentner. Der wesentliche Punkt um sich glücklich zu fühlen, seien sozialen Beziehungen. Außerdem fühlen sich Jugendliche wohler, wenn sie ihren eigenen Lebensraum mitgestalten können", so Zentner. Seine Hobbys und Interessen voll ausleben zu können, ist Martins wichtigstes Wohlfühlkriterium. "Sein eigenes Ding durchziehen, auch wenn sich später herausstellt, dass es falsch war."

(Julia Grillmayr,Anna Maria Nics/DER STANDARD-Printausgabe, 9.11.04)

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    bild: standard/corn
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