Gedenktafel für Kernphysikerin Marietta Blau

6. Dezember 2004, 11:45
posten

Wien ehrt die bedeutende österreichische Wissenschafterin in ihrem Gymnasium in der Rahlgasse

Wien - Anlässlich ihrer Matura, die sich heuer zum 90. Mal jährt, wurde am Montag vor dem Gymnasium Rahlgasse eine Gedenktafel für die wohl berühmteste Schülerin des Hauses enthüllt. Frauenstadträtin Sonja Wehsely ehrte damit die Kernphysikerin Marietta Blau, die heuer 110 Jahre alt geworden wäre.

Studium der Physik und Mathematik

Marietta Blau wurde am 29. April 1894 in Wien geboren. Am 14. Juli 1914 legte sie ihre Matura am Mädchengymnasium des Vereines für erweiterte Frauenbildung in der Rahlgasse ab. Anschließend studierte sie als eine der ersten Frauen an der Universität Wien Physik und Mathematik. 1919 beendete sie ihr Studium mit einer Dissertation "Über die Absorption divergenter Gamma-Strahlen".

Sie arbeitete in Österreich und Deutschland, unter anderem auch in der Industrie. Ein Stipendium führte sie nach Göttingen und nach Paris ans Institut von Marie Curie. 1937 erhielt sie gemeinsam mit ihrer ehemaligen Schülerin Herta Wambacher den I. L. Lieben-Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften für ihre Untersuchungen der fotografischen Wirkungen von Gamma-Strahlen.

Nazi-Verfolgung

1938 musste die Jüdin Marietta Blau Österreich verlassen. Sie ging zuerst nach Oslo und dann auf Empfehlung von Albert Einstein nach Mexiko - als Professorin an der Technischen Hochschule in Mexico City. 1944 führte sie ihr Weg weiter nach New York, wo sie in der Industrie und in wissenschaftlichen Einrichtungen tätig war.

Erst 1960 kehrte Marietta Blau nach Österreich zurück, wo sie aber nicht unbedingt mit offenen Armen aufgenommen wurde. Am Radiuminstitut erhielt sie die Möglichkeit ihre wissenschaftliche Arbeit fortzuführen - in bescheidenem Rahmen.

Drei Nominierungen für den Nobelpreis

1962 erhielt sie von der Akademie der Wissenschaften den Schrödinger-Preis, nachdem ihr die Aufnahme als korrespondierendes Mitglied von der Akademie verweigert worden war. Insgesamt drei Mal wurde sie für den Nobelpreis vorgeschlagen, erhielt ihn aber nie.

"Marietta Blau hatte es aus vielen Gründen schwer, Anerkennung zu erhalten - als Frau und als Jüdin in einer Wissenschaft, die nicht nur damals von Männern dominiert war", so Wehsely in ihrer Laudatio. ZeitzeugInnen beschreiben sie darüber hinaus als besonders zurückhaltend und bescheiden, "Charaktereigenschaften, die viele Frauen auch heute noch daran hindern, ihre Leistungen laut und selbstbewusst darzustellen".

Gedenktafel

"Ich möchte deshalb den Mädchen von heute Mut machen, zu sich und ihren Leistungen zu stehen, ihnen Selbstbewusstsein geben und Chancen aufzeigen. Dazu brauchen sie, brauchen wir alle Vorbilder, die uns zeigen, was Frauen leisten können", betonte die Frauenstadträtin. "Und deshalb freue ich mich, heute diese Gedenktafel für diese beeindruckende Frau enthüllen zu dürfen, die für uns alle ein solches Vorbild sein kann." (red)

Share if you care.