Gorbach erwägt Magnetschwebebahn für Österreich

1. Dezember 2004, 20:08
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Verkehrsminister von Probefahrt mit weltweit schnellstem Zug in Shanghai "beeindruckt"

Shanghai - Vizekanzler und Verkehrsminister Hubert Gorbach (F) erwägt den Bau eines Transrapid in Österreich. Als Beschleunigung des Bahnverkehrs müsse die Magnetschwebebahn auch in Österreich ein Thema werden, sagte Gorbach nach einer Probefahrt mit dem weltweit ersten Transrapid in Shanghai am Samstag vor Journalisten. Spätestens bis 2015 müsse das heimische Verkehrsnetz international erschlossen sein. "Der Transrapid könnte dabei ein Bestandteil sein", so Gorbach.

Weltweit schnellster Zug

Die Magnetschwebebahn in Shanghai, eine Gemeinschaftsentwicklung von Siemens und ThyssenKrupp, gilt mit einer Maximalgeschwindigkeit von 431 km/h derzeit als der schnellste Zug im Regelbetrieb. Im Test hat der Zug bereits eine Maximalgeschwindigkeit von 501 km/h erreicht. Für die 30 Kilometer lange Strecke aus der Stadt zum Flughafen Shanghai benötigt der Transrapid - bei einem Ticketpreis von umgerechnet 8 Euro - gerade einmal 7,5 Minuten.

Laut Gorbach wäre eine solche Magnetschwebebahn sowohl für die Verbindnung Deutschland-Italien als auch für die Westbahn und die Verbindungen nach Osteuropa denkbar. Wien und Innsbruck könnten mit dem Zug in weniger als zwei Stunden verbunden werden, die Flughäfen Schwechat und Bratislava in 15 Minuten, betonte der Minister.

Gorbach beeindruckt

Von seiner Probefahrt mit dem Transrapid zeigte sich Gorbach in einem anschließenden Gespräch mit dem Bürgermeister von Shanghai, Hang Zheng ausdrücklich "beeindruckt". Zwar habe der Transrapid noch Kinderkrankheiten. Dennoch sei er der Meinung, "dass das die Zukunft ist", so der Vizekanzler.

Die Kosten für den Zug liegen laut Transrapid-Manager Günter Weckerlein derzeit bei rund 24 Mio. Euro pro Kilometer. Gorbach, der ohnehin mit einem zu knappen Bahnbudget kämpft, will den Bau eines solchen Zuges im Falle des Falles vor allem privaten Interessenten überlassen. Der Staat würde der Gesellschaft nur eine Ankurbelungshilfe zur Verfügung stellen.

Konkurrenz zur ÖBB

Die ÖBB, für die ein Transrapid wohl ein direkter Konkurrent wäre, könnten sich laut Gorbach an dem Projekt beteiligen. Die bereits getätigten Schieneninvestitionen etwa in den Westbahn-Ausbau, hält der Minister nicht für verlorenes Geld. Dieser Ausbau sei schließlich auch für die Güterbeförderung wichtig.

Der Transrapid ist vor allem wegen der Kosten nicht unumstritten. In Deutschland sind die Planungen für eine Magnetschwebebahn im Raum München mittlerweile abgeschlossen, die Genehmigung läuft aber noch. Shanghai plant bereits die Verlängerung seiner Transrapid-Trasse um weiter 170 Kilometer über das Geländer der Expo 2010 nach Hangzhou. Das Projekt Shanghai-Peking dürfte aber zu Gunsten eines herkömmlichen Hochgeschwindigkeitszuges gestorben sein.

Auch Gorbach will beide Technologien noch genauer prüfen. In Shanghai soll eine österreichische Expertengruppe den Transrapid noch genauer unter die Lupe nehmen. Der Minister selbst will in den nächsten Wochen aber auch noch den neuen Hochgeschwindigkeitszug in Spanien zwischen Madrid und Barcelona begutachten. "Man muss sich alles ansehen, was den Verkehr beschleunigt, sonst haben wir in 15 Jahren ein Chaos auf der Straße", so der Minister. (APA)

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    Infrastruktur-Minister Gorbach zeigt sich sichtlich beeindruckt von schnellsten Zug der Welt in Shanghai.

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