ÖBB-Chef Huber: "Wir brauchen eine Änderung des Dienstrechtes"

1. Dezember 2004, 20:08
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Huber: Was über das betriebswirtschaftliche Machbare geht, muss von der Politik wahrgenommen werden - Semmeringtunnel soll kommen

Wien - Für eine Änderung des Dienstrechtes bei den ÖBB unter Einbindung der Gewerkschaft der Eisenbahner (GdE) hat sich am Samstag im Ö1-Mittagsjournal der neue Bahn-Chef Martin Huber (44) ausgesprochen. Ziel sei es, dass Unternehmen mit 47.000 Mitarbeitern flexibler zu führen. Eine Möglichkeit dazu sind weiterhin Frühpensionierungen, das darf aber nur Teil eines Maßnahmenpaketes sein, sagte der ehemalige Manager des Baukonzerns Porr.

Die Ablehnung der Politik, ÖBBler vor 50 Jahren in Pension zu schicken, sieht er als "Meinungsäußerung". Fakt sei, dass die Personalkosten 60 Prozent des Bundesbahn-Budgets ausmachen. Er räumte aber ein, dass Frühpensionierungen in diesem Alter nicht leicht zu vertreten seien.

Mitarbeiter verleihen

Eine weitere Maßnahme könnte der leihweise Einsatz von überschüssigen Bahnmitarbeitern bei anderen Unternehmen sein. Darüber werde er Gespräche mit GdE-Chef Wilhelm Haberzettl führen.

Alles, was über die betriebswirtschaftliche Machbarkeit gehe, müsse aber von der Politik wahrgenommen werden, so Huber. Wolle man den Generalverkehrsplan (GVP), der alle großen Verkehrsprojekte in Österreich für die nächsten Jahre beinhaltet, in der derzeit geplanten Form und Geschwindigkeit umsetzen, müsse er zu Finanzminister Karl-Heinz Grasser (V) gehen.

Gespräch mit Erwin Pröll über Semmering-Eisenbahntunnels

Ein Gespräch hat sich der Neo-Bahn-Boss bereits vorgenommen: Er will mit dem niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll (V) über den Bau des Semmering-Eisenbahntunnels sprechen. Dies sei ein "notwendiges Infrastrukturprojekt". Pröll ist ein entschiedener Gegner des Projektes.

Bahnerfahrung im praktischen Betrieb hatte der als ÖVP-nahe geltende Ex-Porr-Manager erst vergangene Woche gesammelt. Er sei bei einer Fahrt nach Wien "im Großen und Ganzen" zufrieden gewesen " "in der 1. Klasse mehr als in der 2.", erklärte Huber. Es gebe "partiell zu wenige Züge", hier soll aber neues Material kommen.

Marktanteilsverluste gegenüber Sraße "ein Problem"

Die Marktanteilsverluste gegenüber der Straße seien aber "ein Problem". Besonders stark betroffen: die "Rollende Landstraße", sprich der Hucke-Pack-Transport von Lkw auf der Schiene. Hier habe die Bundesbahn ein "Riesenproblem", ein "dramatischer Rückgang" sei zu bemerken.

Auf die Frage, wie er zu seinem neuen Job als ÖBB-Chef kam, antwortete Huber: "Ich wurde aus Kreisen des Aufsichtsrates gefragt."

SPÖ-Eder: "Nicht sehr glaubwürdig"

SPÖ-Verkehrssprecher Kurt Eder vermisste in den Aussagen Hubers "einen intelligenten Lösungsansatz für die Österreichischen Bundesbahnen". Statt Mitarbeiter in die Frühpension zu schicken, sollte eine expansive Politik betrieben werden und etwa die Möglichkeiten des Güterverkehrs in den Märkten der neuen EU-Länder verstärkt wahrgenommen werden, forderte Eder in einer Aussendung. Die Ankündigungen Hubers zur Verbesserung des Nahverkehrs sind für Eder nicht sehr glaubwürdig: "Der finanzielle Spielraum dafür ist äußerst knapp. Denn die Regierung will bei der Bahn nur sparen und zerstört so die Zukunft der ÖBB. Es ist inzwischen ausschließlich den engagierten MitarbeiterInnen des Unternehmens zu verdanken, dass überhaupt noch Züge einigermaßen nach Zeitplan unterwegs sind." (APA)

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