Korei will extremistische Gruppen einbinden

9. November 2004, 19:55
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Palästinenser stellen Weichen für Nach-Arafat-Ära - Sicherheitsplan für Gaza-Streifen soll Chaos verhindern - Hamas will Angriffe auf Israel nicht einstellen

Ramallah/Gaza/Jerusalem - Unter dem Eindruck des offiziell weiterhin unklaren Gesundheitszustands von Palästinenserpräsident Yassir Arafat versuchten palästinensische Spitzenpolitiker am Sonntag die Nachfolgefrage zu klären und Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.

Der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Korei traf in Gaza mit Vertretern von 13 palästinensischen Organisationen zusammen, darunter auch extremistischen Gruppen Hamas und Islamischer Djihad (Heiliger Krieg).

Korei sagte nach dem vierstündigen Treffen, die Kommandanten der Sicherheitskräfte hätten sich auf ein gemeinsames Vorgehen verständigt, um Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten. Die palästinensischen Gruppierungen hätten zudem zugesichert, mit der Regierung zusammenzuarbeiten. Korei habe die Hamas gebeten, ihre Angriffe auf Israel einzustellen, um die Bildung einer neuen palästinensischen Führung zu unterstützen, berichtete am Sonntag die israelische Zeitung Ha'aretz.

Hamas widersetzt sich

Hamas-Sprecher Sami Abu Zahri erklärte jedoch: "So lange die Besetzung und die militärischen Angriffe andauern, werden auch der Widerstand und die Selbstverteidigung fortgeführt."

Am Samstag hatte sich die Hamas-Bewegung nach Angaben ihres Sprechers Sami Abu Zahri bei den Beratungen für die Bildung eines "vereinigten Kommandos" und einer "provisorischen kollektiven Führung" ausgesprochen. Alle Fraktionen seien entschlossen, einen "friedlichen Übergang" zu gewährleisten.

Der Hamas-Sprecher sagte, seine Organisation wolle die palästinensischen Sicherheitskräfte auffordern, alles für die Sicherheit der palästinensischen Bevölkerung zu tun. Jihad-Sprecher Khaled al Bash forderte die Regierung und die Sicherheitsdienste auf, den innerpalästinensischen Auseinandersetzungen ein Ende zu bereiten.

Vor den Beratungen war Korei mit einer Vertreterin des US-Außenministeriums, Elizabeth Dibble, zusammengekommen. Über den Inhalt der Unterredung wurde nichts bekannt. Das Exekutivkomitee der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) hatte in Ramallah unter Leitung von Arafats Stellvertreter Mahmud Abbas (Abu Mazen) getagt. (APA/dpa/red)

  • Ahmed Korei bei einer Pressekonferenz in Gaza-Stadt. Der palästinensische Premier ist bemüht, einen Konsens mit den außerhalb der PLO stehenden militanten
Gruppierungen zu finden.
    foto: ap/hatem moussa

    Ahmed Korei bei einer Pressekonferenz in Gaza-Stadt. Der palästinensische Premier ist bemüht, einen Konsens mit den außerhalb der PLO stehenden militanten Gruppierungen zu finden.

  • Ein großes Arafat-Plakat hängt an dem Gebäude in Ramallah, in dem der nationale Sicherheitsrat der Palästinenser am Sonntag zusammen trat.
    foto: apa/epa/atef safadi

    Ein großes Arafat-Plakat hängt an dem Gebäude in Ramallah, in dem der nationale Sicherheitsrat der Palästinenser am Sonntag zusammen trat.

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