Im Chaos einer Wahlschlacht

7. Februar 2005, 17:49
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Kaum wieder gewählt, hat George W. Bush auch schon ein ernstes Problem am Hals: Wolfgang Fellner mag ihn nicht ...

Kaum wieder gewählt, hat George W. Bush auch schon ein ernstes Problem am Hals: Wolfgang Fellner mag ihn nicht. Wie der UNGELIEBTE PRÄSIDENT jetzt eine tief gespaltene Nation regieren muss, verspricht "NEWS" seinen Lesern die Zwangslage zu erklären, in der sich der politische Kreuzritter in den nächsten Jahren befinden wird. Wäre es nur die Supermacht im Chaos einer Wahlnacht! - aber nein, es ist viel schlimmer: Bushs Sieg stürzt die USA ins Chaos.

Das stört den Sieger überhaupt nicht. Im Gegenteil, kaum ist die Chaos-Wahl vorbei, wird er frech. DER SIEGER LACHT - der Welt ist das Lachen vergangen. Four more years mit dem Ungeliebten. Wenigstens ein Chaos blieb den USA erspart, obwohl es in "NEWS" angekündigt ist: DAS WAHLCHAOS: "20.000 Anwälte suchen nach Fehlern im System." Und einer suchte mit: Schließlich war auch Wolfgang Fellner, Gründer von NEWS, diesmal wieder an der journalistischen Front tätig: in Kalifornien.

Es war eine ruhige Front, wie er selber zugibt. In New York und in Kalifornien bekam man als Durchschnittsbürger von der erbitterten Wahlschlacht fast nichts mit. Nun ist der journalistische Frontkämpfer gewiss kein amerikanischer Durchschnittsbürger, aber so geht's doch auch nicht, wenn angekündigt ist: Wolfgang Fellner beobachtete die Wahl vor Ort. Denn was musste er beobachten? Während im kleinen Wisconsin jeder Bürger 14.000 (!) Fernsehspots von Bush oder Kerry sah, bekam ein Wähler in Kalifornien keinen einzigen (!) Bush- oder Kerry-Spot zu Gesicht.

In Wisconsin müsste man gewesen sein! Aber wer NEWS gegründet hat, beobachtet auch scharf, wenn er in Kalifornien von der erbitterten Wahlschlacht fast nichts mit bekommt. Da konnte Dabbelju Fellner nicht entgehen, es war eine Wahl, für die sich eine Bananenrepublik geniert. Welche, verrät er leider nicht, aber immerhin, woran es liegt. Die Amerikaner wählen noch immer nach einem völlig absurden, längst überholten Wahlsystem. Präsident wird nicht der, der die meisten Stimmen hat - wie etwa nun George Bush -, sondern der, der mit Taktik, Tricks und viel Geld die meisten Wahlmännerstimmen oft ganz kleiner Bundesstaaten gewinnen kann.

Dabei hätte man geglaubt, er müsste zunächst die Wählerstimmen nicht nur oft ganz kleiner Bundesstaaten, sondern auch größerer, wie etwa Ohio, gewinnen, bevor er die Wahlmännerstimmen mit Taktik, Tricks und viel Geld gewinnen muss, die ihm ohnehin zufallen, wenn er nur genügend Wählerstimmen gewonnen hat. Jede Bananenrepublik genierte sich zu Recht, viel Geld beim Fenster hinauszuwerfen für etwas, was man vom Wähler freiwillig bekommt. Derart tiefe politikwissenschaftliche Erkenntnisse strömen einem zu, wenn man dort an der journalistischen Front kämpft, wo man von der erbitterten Wahlschlacht fast nichts mit bekommt.

Und dann erst der Bush-Wahlkampf! George Bush hat diesmal seinen Wahlkampf nicht wie beim letzten Mal wie ein texanischer Cowboy geführt, sondern fast schon im Stil eines christlichen Kreuzritters. Einem "NEWS"-Gründervater kann es dieser Bush einfach nicht recht machen. Es war ein Kampf gegen das Böse - in der Person von Terroristen und in der Person der so genannten "Liberalen".

Um das zu erkennen, musste man nicht in Wisconsin sein. Und für folgende Weisheit hätte eine Front in Wien genügt: Angesprochen hat Bush mit diesem Wahlkampf den "typischen Amerikaner", man könnte auch sagen: den amerikanischen "Krone"-Leser. Konkret: weiße, berufstätige Amerikaner, jenseits der 35. Verheiratete, Familien, gläubige Bürger. "Hundestreichler" fehlt in dieser Charakteristik, wenn es sich um richtige "Krone"-Leser handeln soll. Kein Wunder, dass Bush sie angesprochen hat: George Bush. Er repräsentiert den amerikanischen "Krone"-Leser.

Dafür, dass Hans Janitschek diese Repräsentanz bisher nicht weitergemeldet hat, sollte Hans Dichand seinen Amerika-Korrespondenten pensionieren. Jetzt wird wohl Wolfgang Fellner die Zeitung für den amerikanischen "Krone"-Leser auf den US-Markt werfen, womöglich mit Arnold Schwarzenegger als Ombudsman zum Schutz vor dem christlichen Kreuzritter! Nur ein amerikanischer Kräuterpfarrer wird schwer aufzutreiben sein.

Damit wären wir auch schon bei dem fernen Hoffnungsschimmer, den Fellner doch sieht. Die USA haben vier Jahre Unsicherheit, politischen Streit, Chaos mit einem ungeliebten Präsidenten Bush an der Spitze vor sich. Und danach? Nach Bush deutet alles auf eine Neuorientierung der Republikaner zur Mitte hin. Ihr logischer Kandidat fürs Weiße Haus im Jahr 2008 könnte - eine kleine Gesetzesänderung beim Wahlrecht vorausgesetzt - für uns Österreicher, und vor allem für die "NEWS"-Leser, ein guter alter Bekannter sein: Arnold Schwarzenegger.

Die kleine Gesetzesänderung dürfte für einen Terminator ein Klacks sein, zumal es sich um einen derart logischen Kandidaten handelt. Die vier Jahre Chaos müssen die Amerikaner halt irgendwie herunterbiegen. (DER STANDARD; Printausgabe, 6./7.11.2004)

Von Günter Traxler
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