Auslaufmodell Arbeiter

8. Februar 2005, 16:06
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Als Erfolg des Metaller-Abschlusses ist das neue, einheitliche Lohnschema - ein jahrzehntealtes Thema - zu werten - von Michael Bachner

Nach der vehementen Debatte über eine Verlängerung beziehungsweise Flexibilisierung der Arbeitszeit im Sommer galten die nunmehr abgeschlossenen Metaller-Kollektivvertragsverhandlungen als erster Testlauf für die diesbezügliche Veränderungs(un-)willigkeit in Österreich.

Die Gegner einer Arbeitszeitverlängerung werden zufrieden sein. Auch am Status quo der verschiedenen Arbeitszeitmodelle in der Metallbranche hat sich kaum etwas geändert, was ihre Flexibilität anbelangt. Die Arbeitnehmerseite hat sich durchgesetzt, abzulesen am Hilferuf der Arbeitgeber, der Gesetzgeber möge einschreiten und das Arbeitszeitgesetz flexibilisieren.

Des lieben sozialen Friedens willen wäre es vernünftiger gewesen, das Thema Arbeitszeitflexibilisierung auf der Ebene der Sozialpartner zu belassen. Doch diese Tür haben die Arbeitgeber mit ihrer überzogenen Forderung nach einer Ausweitung der täglichen und wöchentlichen Normalarbeitszeit - auf bis zu 56 Stunden im Schichtbetrieb - zugeschlagen.

Die eigentliche Lohnerhöhung um 2,5 Prozent bis November 2005 wird von Wirtschaftsforschern angesichts der hohen Inflation und Produktivitätssteigerung als "vorsichtig" und "durchaus gemäßigt" bezeichnet. Dieses Vokabular haben die heimischen Arbeitgeber in der Arbeitszeitfrage vermissen lassen. Das Nichtergebnis spricht für sich.

Als Erfolg des Metaller-Abschlusses ist jedoch das neue, einheitliche Lohnschema - ein jahrzehntealtes Thema - zu werten. Die Sozialpartner legten hier nach Marathonverhandlungen ein Harmonisierungsmodell für Arbeiter und Angestellte vor. Die Diskriminierung der Arbeiter wird damit zum Auslaufmodell. Von diesem Umsetzungswillen könnte sich die Bundesregierung bei der Pensionsharmonisierung etwas abkupfern. (Der Standard, Printausgabe, 06.11.2004)

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