Österreich will Bahn-Know-how nach China verkaufen

1. Dezember 2004, 20:08
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ÖBB-Vorstand schließt direktes unternehmerisches Engagement in China nicht aus - 25 Millionen Euro-Auftrag für Plasser und Theurer in Sicht

Peking - Österreich will sein Eisenbahn-Know-how nach China verkaufen. Vizekanzler Verkehrsminister Hubert Gorbach (F) hat heute, Donnerstag, in Peking mit dem chinesischen Vizeminister für Eisenbahnwesen Sun Yongfu ein neues Bahnabkommen unterzeichnet.

Erster konkreter Deal wird voraussichtlich ein mindestens 25 Mio. Euro schwerer Auftrag von Shanghai an den Wiener Bahnmaschinenbauer Plasser und Theurer sein. Aber auch die ÖBB wollen mit China ins Geschäft kommen.

Gorbach sprach am Donnerstag von einer "wichtigen Grundlage für die bilateralen Beziehungen zwischen China und Österreich". Details sollen nun in Arbeitsgruppen geklärt werden. "Die Weichen sind gestellt, wir müssen nur noch losfahren", so Gorbach in Peking.

Tunnelbau und Sicherheitstechnik

Für ÖBB-Vorstand Alfred Zimmermann geht es vor allem um Kooperationen in den Bereichen Tunnelbau und Sicherheitstechnik. Zunächst soll es zwischen den ÖBB und der chinesischen Bahn nur zum einem Expertenaustausch kommen. Chinesische Mitarbeiter könnten bei den ÖBB trainiert werden.

Zimmermann schließt in Zukunft aber auch die Vergabe von Lizenzen an die chinesische Bahn bis hin zum direkten unternehmerischen Engagement der ÖBB Bau AG in China nicht aus. Dabei werde man auch versuchen, "die österreichische Industrie mitzunehmen", sagte Zimmermann am Rande der Vertragsunterzeichnung vor Journalisten.

2,2 Millionen Bedienstete

Mit 2,2 Millionen Bediensteten und einem 70.000 Kilometer umfassenden Schienennetz gilt Chinas Eisenbahn neben den US-Railways, der russischen und der indischen Bahn als größtes Bahnunternehmen der Welt.

In seinem Fünfjahresplan von 2001 bis 2005 hat das chinesische Eisenbahnministerium 270 Mrd. Renminbi (25,7 Mrd. Euro) zum Ausbau des Schienennetzes vorgesehen. Jedes Jahr kommen 1.000 neue Eisenbahnkilometer dazu, 3.000 Kilometer müssen jedes Jahr erneuert werden.

Den Know-how-Transfer nach China sieht man bei den ÖBB als ersten Schritt. Bisher habe man eigene Entwicklungen nur bei den ÖBB genutzt. Diese Patente könne man aber durchaus auch verkaufen, betonte Zimmermann.

Brenner-Basistunnel sorgt für Aufmerksamkeit

Vor allem das - wohl gemerkt noch nicht einmal gestartete - Milliarden-Bauprojekt Brenner-Basistunnel sorgt schon sei einiger Zeit für internationale Aufmerksamkeit. US-Verkehrsminister Norman Mineta will demnächst nach Wien reisen, um sich vor allem über das Milliardenprojekt Brenner-Basistunnel zu informieren.

Außerdem wird Vizekanzler Verkehrsminister Gorbach Mitte Dezember auf Einladung des libanesischen Verkehrsministers Najib Mikati nach Beirut fliegen. Die Libanesen planen derzeit den Bau einer Eisenbahnverbindung nach Syrien. (APA)

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