
Alexander Van der Bellen: "Zum täglichen Leberkäs muss man nicht immer seinen Senf draufpappen."
derStandard.at: Es heißt, es gäbe in Österreich eine Veramerikanisierung der politischen Kommunikation. Ist das gut oder schlecht? Was können die Grünen vom US-Wahlkampf lernen?
Van der Bellen: Eher schlecht. Lernen: Keep it short and simple - Kiss.
derStandard.at: Wollen Sie den "Schulden-Karli" für Finanzminister Karl-Heinz Grasser noch immer nicht zurücknehmen?
Van der Bellen: Nein. Wenn die ÖVP Edlinger als Schulden-Rudi bezeichnet hat, ist das für Grasser recht und billig.
derStandard.at: Ist das der richtige Umgangston für einen Professor?
Van der Bellen: Wer weiß. Aber: Kiss!
derStandard.at: Reinhold Lopatka hat in dieser Rubrik zu Ihrem Kommunikationsstil gemeint, "wenn ich an den Professor denke, schlafe ich immer ein". Was geht in Ihnen vor, wenn Sie an den ÖVP-Generalsekretär denken?
Van der Bellen: Hoffentlich schläft er recht lang.
derStandard.at: Halten Sie Ihr Auftreten selbst manchmal für zu zurückhaltend bzw. leise? Was würden Sie selber gerne an Ihrer Performance verbessern?
Van der Bellen: Manchmal ja - schlagfertig, kurz und witzig, das wärs halt.
derStandard.at: Wie sehen Sie die Kommunikationsleistung der Grünen im Vergleich mit anderen Parteien?
Van der Bellen: Ich finde, eh gut. Wir können uns nicht auf Ministerien, Kammern usw. stützen.
derStandard.at: Von Ökologie ist schon länger nicht mehr wirklich die Rede. Ist denn mit dem Umweltschutz in Österreich alles in Ordnung, oder machen die Grünen was bei der Kommunikation falsch, wenn ihr ureigenstes Thema fast nicht mehr präsent ist? Wie stark wird das Thema von der ÖVP (durch Umweltminister Pröll) besetzt?
Van der Bellen: Verkehr (Dieselfeinstaub!) oder Energie (Weg vom Öl!) sind nicht präsent? Pröll wird von Bartenstein sabotiert und von Schüssel im Stich gelassen.
derStandard.at: Die Satire-Sendung "Dorfers Dorferstalk" nahm letztens die Grünen auf die Schaufel. Titel: "Wo sind die Grünen geblieben? Einst eine hoffnungsvolle Jungpartei, hört man nichts mehr von ihnen. Wie haben Sie die Show als selbstkritischer Rezipient aufgenommen? War da auch etwas Wahres dran?
Van der Bellen: Gemischte Gefühle. Schlägst jeden Tag Lärm, hören die Leute bald nicht mehr zu.
derStandard.at: Die neue Klubobfrau der Wiener Grünen Maria Vassilakou wurde nun schon mehrfach in Boulevard-Zeitungen gesichtet. Gibt es eine Medienstrategie der Grünen, die mehr in Richtung Kleinformat abzielt?
Van der Bellen: Wir versuchen jedes Medium zu nutzen. In Umweltfragen ist die Krone oft auf unserer Seite.
derStandard.at: Was denken Sie, wenn sie über das neue Glück ihrer Stellvertreterin Eva Glawischnig über die Zeitungen erfahren?
Van der Bellen: Indiskrete Medien sind eine Pest. Privates soll privat bleiben.
derStandard.at: Die Grünen betonen immer wieder, für die Regierungsverantwortung bereit zu sein. Wie sehr hängt es in Österreich vom Verhältnis zu Kronen Zeitung und ORF ab, ob man in die Regierung kommt oder nicht?
Van der Bellen: Nach der Wahl: Gar nicht. Vor der Wahl präferieren sie den Status Quo.
derStandard.at: Haben Sie schon einmal mit Krone-Chef Dichand Gugelhupf gegessen?
Van der Bellen: Nein. Aber Kaffee getrunken.
derStandard.at: "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold" - Was halten Sie von diesem Sprichwort?
Van der Bellen: Zum täglichen Leberkäs muss man nicht immer seinen Senf draufpappen. Aber in wichtigen Fragen Linie halten - auch im Reden!
derStandard.at befragt in regelmäßigen Abständen ParteivertreterInnen, WissenschafterInnen und sonstige Menschen, die etwas zu sagen haben, zur politischen Kommunikationskultur in Österreich. Damit diese Kommunikation nicht einseitig verläuft, können Sie uns Ihre Kritik bzw. Anregungen zur Serie per Mail an onlinepolitik@ derStandard.at mitteilen.
da fällt einem sofort die österreichische verfassung,
die eu-verfassung, EU- und österr. gesetzestexte
zu allen lebensbereichen, staatsrecht, volkswirt-
schaftliche grundkenntnisse, wirtschaftliche
grundkenntnisse, politische anträge,
referendums, abkommen, statistik und meinungs-
forschung etc. ein sowie who-is-who in politik, wirtschaft, gesellschaft in österreich und sonstwo.
Ich grüble jetzt schon eine zeitlang, und verstehe den tieferen sinn dieses satzes immer noch nicht.
Für mich eine amüsante herausforderung, die ich heute abend in geselliger runde zur sprache bringen werde.
ABER: Mit solchen sätzen wird der Hr. Professor nur die schicht der intellektuellen ansprechen und wegen der 4% klausel nimmer in den NR gewählt werden.............
sie halten eine lange und möglichst umständliche version also für grundsätzlich "intellektueller" als eine kurze klare ausdrucksweise?
na gratuliere , damit haben wir auch schon die zwei grundprobleme des "intellektuellen" der keinen geraden satz mehr herausbringt: selbstgefälligkeit und fachsprachenverliebtheit
das mag im fachgremium wenn man sehr spezielle probleme zu erläutern hat und alle beteiligten die fachsprache kennen angehen, aber sicher nicht wenn man in begrenzter zeit einem breiteren publikum kerninhalte näher bringen will (dazu zählt auch eine lehrsituation)
auch in wissenschaftlichen publikationen sieht man ja oft das mit viel blabla über wenig inhalt weggetäuscht werden soll.
"die wahrheit ist ihrem wesen nach einfach...
Um an deinem wohlverdienten Abend nicht lange drüber nachdenken zu müssen: KISS ist die Abkürzung von "Keep It Short and Simple". Kommt aus der Rethorik und wird seit Jahren bei diversen Seminaren gelehrt.
Jedoch sollte man auch Inhalte in Interviews packen, wenn man mal die Chance hat, für seine Partei zu werben.
"Keep it short and sexy" - ist ja auch nicht wirklich neu, aber gemeint ist vor allem, Langatmigkeit zu vermeiden und Kernbotschaften kurz und bündig rüberzubringen; das hat nichts mit der (vermeintlichen) Dummheit der ZuhörerInnen zu tun, sondern vor allem damit, dass in der heutigen Medienlandschaft, vor allem im TV, einfach keine Zeit für ganze Sätze mehr ist, bzw. die Diskussionskultur fürchterlich ist. Niemand darf ausreden, ergo müssen Herr und Frau Politiker Slogans parat haben. Sad but true.
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