Emerging Markets: Immer noch unterschätzt

22. Februar 2005, 20:15
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Für Wojciech Stanislawski, Fondsmanager des Magellan Fonds der französischen Comgest, liegen die Zukunftsländer in Lateinamerika und Afrika - Denn noch immer seien diese Regionen bei Investoren relativ unbeliebt

Der Magellan Fonds der französischen Comgest liegt anhand der risikoadjustierten Performance klar an der Spitze aller globalen Emerging Markets Aktienfonds. Gerade in einem so volatilen Marktumfeld wie bei Schwellenländern, setzt Fondsmanager Wojciech Stanislawski auf defensive Aktien, vor allem aus dem Konsumbereich. Rohstoffaktien und Banken meidet er dagegen komplett. Die konträre Strategie des Franzosen scheint zu funktionieren: Mit Ausnahme des Jahres 1999 konnte der Magellan Fonds sein Anlageziel, den MSCI Emerging Markets Free jährlich um ambitionierte 6 Prozent zu schlagen, in den letzten 6 Jahren immer erreichen.

Konträre GARP-Investoren mit 90% Stockpicking

e-fundresearch: Herr Stanislawski, wie definieren Sie den Investmentstil des Magellan?

Wojciech Stanislawski: Wir sind zu 90 Prozent Stockpicker und suchen nach Firmen, die ein starkes und stabiles Gewinnwachstum vorweisen können und über keine bzw. sehr wenig Schulden verfügen. Dabei achten wir sehr genau auf die Bewertung dieser Unternehmen, definieren uns selbst also als konträre GARP (Growth at a reasonbale prize) Investoren. Wichtig ist uns bei der Unternehmensanalyse neben Kennzahlen aber vor allem das Vertrauen in das Management bzw. ob sich die Firma großteils im privaten Besitz befindet. Nur zu 10 Prozent spielen für uns volkswirtschaftliche Entwicklungen eine Rolle. In der Regel investieren wir sehr langfristig, der durchschnittliche Portfolioumschlag liegt bei 25 Prozent pro Jahr.

Standort Paris kein Nachteil

e-fundresearch: Wer steht hinter dem Produkt und stellt Ihr Standort in Paris für einen globalen Schwellenländer-Aktienfonds nicht ein Nachteil dar? Wojciech Stanislawski: Nein, eigentlich nicht. In dieser Arbeit werden mein Fondsmanager-Kollege Vincent Strauss und ich von einem Team aus zwei weiteren Fondsmanagern in Paris und einem vierköpfigen Team in Hong Kong unterstützt. Darüber hinaus reisen wir sehr viel, sprechen mehrere Sprachen und unsere strengen Investmentkriterien schränken das mögliche Investmentuniversum stark ein.

Fokus auf defensive Konsumaktien

e-fundresearch: Welches Ziel verfolgt der Magellan Fonds?

Wojciech Stanislawski: Die Idee hinter dem Magellan ist es von den steigenden Konsumausgaben der Mittelschicht in Schwellenländern zu profitieren. Denn in entwickelten Ländern macht der Konsum 60-70 Prozent des BIP aus, in Schwellenländern erst 30. Weiters verzeichnen Konsumunternehmen auch die stabilsten Gewinnentwicklungen, können also auch in wirtschaftlich schweren Zeiten wachsen. Auf der anderen Seite würde unser Fonds in Zeiten großer Aufschwünge aufgrund des defensiven Charakters etwas zurückliegen.

Unsere Volatilität sollte aufgrund der defensiven Ausrichtung unter dem Index liegen und in der Regel sind wie immer voll investiert. Weiters hedgen wir den Fonds nicht gegenüber Währungsschwankungen ab, die Fondswährung ist Euro.

Anlageziel: 6 Prozent Outperformance p.a.

Die angestrebte Outperformance liegt aufgrund des konzentrierten Portfolios von 30-40 Aktien gegenüber dem MSCI Emerging Markets Free bei jährlich 6 Prozent. Seit 1998 haben wir das auch jedes Jahr – mit Ausnahme von 1999 – erreicht.

e-fundresearch: Ein sehr ambitioniertes Ziel…

Wojciech Stanislawski: Ja, das ist schon richtig. Aber wir als Comgest haben keinen eigenen Vertrieb und deswegen ist ausgezeichnete Performance unserer Produkte auch die einzige Möglichkeit auf uns aufmerksam zu machen.

„Investoren unterschätzen die Emerging Markets noch immer“

e-fundresearch: Seit Mai diesen Jahres hat der MSCI Emerging Markets Free fast 15 Prozent zugelegt, der Magellan Fonds hat sogar 21 Prozent dazu gewonnen. Ist der Zeitpunkt zum Einstieg jetzt nicht schon etwas spät?

Wojciech Stanislawski: Die Märkte sind in den letzten Monaten sehr gut gelaufen. Die meisten globalen Investoren waren und sind aber immer noch nicht in Schwellenländern investiert. Das stimmt uns positiv. Weiters sprechen langfristigen Entwicklungen wie steigende Rohstoffpreise unverändert stark für Regionen wie Asien. Auch sehen die Fundamentaldaten heutzutage viel besser aus als noch vor zwei Jahren. Sehen Sie sich etwa die Inflationsraten an: Diese sanken im Schnitt über die letzten 15 Jahren in Schwellenländern von 25 auf 5 Prozent. Das führt zu niedrigeren Zinssätzen und hilft Aktien.

Teuer sind diese Märkte aber trotzdem noch nicht: Das durchschnittliche KGV hat sich innerhalb der letzten 10 Jahre kaum verändert und liegt bei 11. Die meisten Investoren scheinen das Potential in den Schwellenländern also immer noch nicht zu verstehen…

e-fundresearch: Welche Länder bzw. Regionen bevorzugen Sie momentan?

Wojciech Stanislawski: Im Fonds sind Südafrika und Brasilien die mit Abstand größten Länder. Von weiterhin hohen Rohstoffpreisen wird Lateinamerika am Stärksten profitieren, Asien dagegen vom Wachstum in China. Der Wachstumszyklus ist dort aber viel fortgeschrittener, Lateinamerika ist eigentlich erst letztes Jahr aufgewacht und weist deswegen auch günstigere Aktienbewertungen auf. Müsste ich nicht in globale Schwellenländer investieren, würde ich derzeit Lateinamerika und Afrika wählen.

e-fundresearch: China nicht?

Wojciech Stanislawski: Nein, China ist eine sehr langfristige Wachstumsstory. Kurzfristig sehe ich dort aber nur wenige Chancen, deswegen gewichten wir diesen Megamarkt nur mit 5 Prozent.

e-fundresearch: Vielen Dank für das Gespräch!

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