"Kyoto-Protokoll ist eine große Lüge"

2. Februar 2005, 20:16
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Putin-Berater hofft auf Scheitern

Wien – Als eine "einzige große Lüge" bezeichnete der Chefberater des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Andrei Illarionov, bei einem Wien-Besuch das Kyoto-Protokoll zum weltweiten Schutz des Klimas. Das russische Oberhaus hat erst in der Vorwoche der Ratifizierung des 1997 in Kyoto vereinbarten Vertrages zur Reduzierung klimaschädigender Gase zugestimmt und damit die Voraussetzung geschaffen, dass das Protokoll voraussichtlich Anfang Februar in Kraft treten kann.

"Das war eine rein politische Entscheidung, die sich auf keine wissenschaftliche Expertise stützt", sagte Illarionov, der sich auf Einladung des Hajek-Instituts in Wien aufhielt. Es gebe keine fundierte wissenschaftliche Untersuchung, dass die im Protokoll vermerkten sechs Gase – allen voran Kohlendioxid (CO2) – tatsächlich Auswirkungen auf das Weltklima hätten. "Die Sonne beeinflusst Millionen Mal mehr das Klima als dies die Menschen tun", sagte Illarionov. Ökologisch mache das ganze keinen Sinn, ökonomisch sei es "überhaupt ein Wahnsinn, auf was wir uns da einlassen", sagte der für seine wirtschaftsliberalen Ansichten bekannte Illarionov. Russland trete der Vereinbarung nur bei, um der EU, Kanada und Japan zu helfen, aus dieser Sackgasse wieder herauszukommen.

Illarionov verwies auf die Statistik: Jene Länder, die sich nicht am Kyoto-Prozess beteiligten wie USA, Australien, Korea und Singapur, weisen beim Bruttoinlandsprodukt Wachstumsraten von durchschnittlich 3,3 Prozent auf; Länder, die sich zu einer Reduzierung des CO2-Ausstoßes verpflichtet haben, kommen auf durchschnittlich 1,9 Prozent Wachstum. Illarionov: "Bei Kioto mitzumachen heißt, CO2-Emissionen verringern, also in erster Linie den Energiekonsum drosseln. Das wirkt sich wiederum auf das Wirtschaftswachstum nachteilig aus."

Das Ziel, bis 2010 das Bruttoinlandsprodukt verdoppeln zu wollen, könne Russland vergessen. Statt wie geplant die Wertschöpfungskette bei Öl und Gas zu verlängern, werde sich Russland mit dem Export der Rohstoffe bescheiden müssen. Illarionov stellte auch in Abrede, dass Russland am Emissionshandel, verdienen könne. "Bereits 2010 müssen wir selbst zukaufen." (stro/DER STANDARD, Printausgabe, 3.11.2004)

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