Zwei Wirkstoffe, doppelter Erfolg

30. Oktober 2004, 17:20
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Chemiker Anton Stütz erhielt den Erwin-Schrödinger-Preis

Terbinafin und Pimecrolimus sind die Termini, die den Erfolg von Professor Anton Stütz ausmachen. Beide Wirkstoffe hat er zusammen mit Teams erfunden und daraus Therapien entwickelt, die Millionen Menschen auf der Welt - und das ist keine Übertreibung - helfen. Mit Terbinafin (in der Apotheke als "Lamisil" erhältlich) können Pilzinfektionen auf der Haut und an Nägeln bekämpft werden. Das Produkt und die damit verbundene weltweite Standardtherapie finden sich unter den 50 besten Innovationen Österreichs (Böhlau-Verlag). Pimecrolimus (Creme "Elidel") hilft Neurodermitikern, qualvolle Schübe mit Juckreiz und Entzündungen der Haut abzufangen. Mit Elidel gibt es für Neurodermitis erstmals seit den 50er-Jahren eine Therapie, die nicht auf Kortisonpräparaten basiert.

Erwin-Schrödinger-Preis

Für diese Entwicklungen hat der Chemiker und der Leiter eines Forschungsteams am Novartis Institute for Biomedical Research Vienna GmbH vor zwei Wochen den Erwin-Schrödinger-Preis 2004 erhalten. Es ist das erste Mal gewesen, dass die Österreichische Akademie der Wissenschaften den mit 15.000 Euro dotierten Preis an einen Forscher aus der Pharmaindustrie vergeben hat (Co-Preisträger: Jakob Yngvason, mathematische Physik). Es seien die anderen auch zu nennen, denen dieser Preis gebühre, ersucht Anton Stütz: Josef Meingassner, Maximilian Graßberger, Karl Baumann, das Forscherteam.

Dem 1947 im oberösterreichischen Schärding Geborenen ist in der industriellen Forscherwelt etwas gelungen, was einem selten zuteil wird: "Ich durfte zwei Mal einen langen, komplizierten Weg mitgestalten", wie er es nennt - und Innovationen, die rund 15 Jahre Entwicklungszeit bedingen, zum Erfolg für Patienten und das Unternehmen führen.

Was wünscht sich jemand wie Professor Stütz noch, der zwei neue Therapien für die Medizin erarbeitet hat? "Dass sich Pimecrolimus als Langzeitmedikament bewährt und dass es bald für Babys zugelassen wird", meint er. Die Daten seien viel versprechend, aber man müsse abwarten. Stütz will "nicht nur ein statistisches Erlebnis von ein paar Millionen Patienten", denen die Wirkstoffe helfen, sondern für ihn lohnt sich die Arbeit, wenn er von einzelnen Patienten über Linderung und Erfolge informiert wird.

Bogen zwischen Chemie, Biologie und Medizin gespannt

Stütz ist vom Weg, wie man Medikamente macht und wie sie im Körper wirken, fasziniert. Er will in seiner Arbeit den Bogen zwischen Chemie, Biologie und Medizin spannen. Nach seinem Chemiestudium, in Wien 1965 begonnen, absolvierte er ein Post-doc-Studium der Molekularbiologie am Max-Planck-Institut im deutschen Göttingen. Danach trat er in die industrielle Forschung ein.

Ein "guter, emotionaler Ausgleich" für all die Arbeit, die mit vielen Vorträgen und "rund 100 Tagen im Jahr im Flugzeug" verbunden ist, sei das Klavierspielen. "Ich bin Hobbypianist." Gerade komme er vom Kammermusizieren mit einem Freund in Innsbruck. Mozart, Beethoven und Schubert spielt er. "Und ich bin leidenschaftlich gern in den Bergen", erzählt Stütz weiter. Der Dachstein ist ihm vertraut, in die Ramsau geht er mit der Familie. Aus der Fassung könne ihn nichts so schnell bringen, aber er sei emotional. Es gebe auch niemanden, der Musik möge und ohne Emotionen auskomme. (Andrea Waldbrunner/DER STANDARD, Printausgabe, 30.-31.10.2004)

  • Anton Stütz

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