Queen-Musical: "In der Zukunft ist Rock verboten"

29. Oktober 2004, 21:41
posten

So die Handlung von "We Will Rock You" an dem Brian May und Roger Taylor die letzten vier Jahre gearbeitet haben: "Die Show wird uns überleben"

Köln - Die letzten vier Jahre haben Brian May und Roger Taylor, Gitarrist und Drummer der Gruppe Queen, an einem Projekt gearbeitet: An einem Musical mit der Musik der Gruppe, die es seit dem Tod von Sänger Freddie Mercury nicht mehr im Original gibt. In London besuchten in einem Jahr zwei Millionen Menschen die Show. Nun kommt "We Will Rock You" in modifizierter Form nach Köln. "Ich hasse eigentlich Musicals", betonte Taylor am Freitag bei einer Pressekonferenz in der deutschen Stadt. "Aber dieses ist einzigartig."

Taylor: "Mir gefällt kein einziges Musical"

"Mir gefällt kein einziges Musical", so der Schlagzeuger. "Aber dieses ist purer Rock'n'Roll. Wir brechen die Regeln. Es handelt sich nicht um typisches Musiktheater, wir gehen ein paar Schritte weiter. Wir wollten kein Stück über unsere Karriere oder über Freddie, sondern eine witzige, zeitlose Geschichte." Für diese Aufgabe wurde der Comedy-Star Ben Elton (Ko-Autor von "Mr. Bean") verpflichtet. Und der sagte ganz gelassen: "Die Story klingt eigentlich sehr dumm. Aber es geht um die Überzeichnung, um den Humor."

Legende von einer Gitarre in einem Stein

Den Inhalt fasste Elton in aller Kürze zusammen: "In der Zukunft ist Rock verboten. Alle Kultur wird von einer übermächtigen Firma am Computer kreiert. Die Kids laden sich die Programme direkt in ihre Hirne. Doch da gibt es die Legende von einer Gitarre in einem Stein. Wer sie herauszieht, bringt mit Rock'n'Roll die Befreiung." Für die deutsche Version wurden zum Teil neue Dialoge geschrieben. "Sprachwitz lässt sich ja nicht immer eins zu eins übersetzen", betonte der Autor. Modernste Technik soll ein Spektakel der Superlative ab 12. Dezember im Kölner Musical Dome garantieren. Elton: "'We Will Rock You ist 'Metropolis' trifft 'Terminator' trifft 'Friends'."

May: "Ich zwinge die Gitarristen nicht, genau wie ich zu spielen"

Besonders geprägt wird das Musical natürlich von den Songs. "Man spürt den Geist von Queen", meinte May. "Die Show ist gelungen, wir müssen uns dafür nicht entschuldigen." Damit die Musiker auf der Bühne den Sound von Queen optimal transportieren, haben die beiden Stars viel Zeit beim Casting (1.000 Personen stellten sich den Vorauswahlen) und bei den Proben verbracht. May: "Ich zwinge die Gitarristen nicht, genau wie ich zu spielen. Sie haben gewisse künstlerische Freiheiten, schließlich handelt es sich um eine Live-Show. Aber sie können sehr ähnlich wie ich klingen - dafür bin ich ja hier."

Ableger in Moskau, Las Vegas und Los Angeles

Mittlerweile gibt es auch Ableger des Musicals in Moskau, in Las Vegas und in Los Angeles. May zeigte sich von einem andauernden Erfolg überzeugt. "Die Show wird uns überleben. Es kommen immer noch Ideen dazu, sie wächst ständig." Ben Elton zitierte dazu einen leicht veränderten Spruch der Eagles: "'We Will Rock You' ist wie 'Hotel California'. Du kannst auschecken, aber du kommst nicht raus."

Zahlreiche Hits der Band

Zu hören gibt es zahlreiche Hits der Band, die mehr als 150 Mio. Platten verkaufte. Einige Texte wurden ebenfalls übersetzt. "Die Lieder sollen ja die Handlung vorantreiben", erklärte May. Andere Stücke wie "Bohemian Rhapsody" blieben unverändert. May: "Wir haben das komplexe Lied nie komplett live gespielt. Hier ist das nun möglich - in aller Pracht. Selbst wenn wir als Figuren nicht vorkommen, sollen die Leute das Gefühl haben, Queen zu erleben."

Resignierend: Marketing entscheidet heute über Erfolg

Kritik an dem derzeitigen Zustand der Unterhaltungsindustrie fehlt im Musical nicht. Elton: "Als ich ein Kind war, wussten wir am Ende des Sommers, was der Sommerhit war. Heute sagen sie uns das schon ein Jahr davor. Nicht mehr die Inhalte, sondern das Marketing entscheidet über den Erfolg. Die Show verstehe ich als Satire auf diese Fehlentwicklung." (APA)

  • Artikelbild
    foto: queen-musical.de
Share if you care.