Hinterm Berg

20. Mai 2005, 10:26
posten

Im kroatischen Zagorje gibt es Burgen, Schlösser, Thermalbäder, einsame Radrouten und Wanderwege zu entdecken

Was den Wienern im Scherz die Steirer sind den Zagrebern die Zagorci. So werden in der kroatischen Hauptstadt jene Landsleute genannt, die "hinter dem Berg" leben. Eine mehr als 1.000 Meter hohe Bergkette namens Medvednica trennt die Metropole von einem Landstrich namens Zagorje, dem bisher touristisch völlig unterbelichteten Nordwesten Kroatiens. Dabei ist alles nur eine Frage der Perspektive: Wer von Österreich in Richtung Zagreb fährt, durchquert zuerst die Gegend "hinter dem Berg".

Dort erwachen gerade die lokalen Fremdenverkehrsvereine aus einem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf. Stolz präsentieren die Zagorci zunächst ihre Geschichte, die bis in die Urzeit zurückreicht. Bereits am Ende des 19. Jahrhunderts wurden in der Nähe der Kleinstadt Krapina die Überreste von Neandertalern entdeckt. Heute gilt die Halbhöhle am Husnjak-Berg als größte Neandertaler-Fundstelle Europas. Sie lockt weiterhin nicht nur Touristen, sondern auch zahlreiche internationale Forscherteams an.

Im Mittelalter ließen sich in Zagorje zahlreiche Adelsfamilien nieder. Von ihrem Wirken zeugen heute noch mehrere Burgen und Schlösser. Das Spektrum der kulturhistorisch interessanten Bauwerke reicht von Trakoscan, einer zauberhaft auf einem Bergkegel thronenden Burg, die in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut wurde, bis hin zum Barockschloss der Familie Orsic in Gornja Stubica. Im Schloss erzählt eine ständige Ausstellung über die Bauernaufstände im 16. Jahrhundert, vor dem Schloss werden im Sommer nach alter Tradition Ritterturniere ausgetragen.

Die sanfte Hügellandschaft, die an die Südsteiermark erinnert, ist weiterhin auch ein Geheimtipp für sportlich ambitionierte Radfahrer und Wanderer. Trotz unmittelbarer Nachbarschaft zur Europäischen Union (nur eine Autostunde südlich von Graz) quartieren sich hier nur selten Urlaubsgäste ein. Wer mit dem Fahrrad durch die Gegend zieht, darf sich noch als Lord der Landstraße fühlen. Auf der Fahrt durch schattige Wälder und über sanft ansteigende Weinberge begegnet man nur selten einem Traktor oder einem Pkw. Absolut zeitgemäß sind hingegen die Rad-Karten, die der regionale Tourismusverband erst seit wenigen Wochen anbietet.

Auch für Wellness-Urlauber könnte Zagorje in Zukunft interessant werden. Die Region liegt auf mehreren tektonischen Bruchlinien und ist daher ebenso wie die Steiermark reich an Thermalquellen. Das Kur- und Heilbad in Tuheljske toplice wird derzeit - mit slowenischem Kapital - zu einem konkurrenzfähigen Wellness- und Kongresszentrum ausgebaut. Ähnliche Pläne liegen auch in den anderen Kurorten Zagorjes vor.

Längst Wirklichkeit sind die von Zagreber Familien am Wochenende stark frequentierten Ökodörfer. Die Kinder können sich dort frei wie auf einem Bauernhof bewegen, Tiere streicheln und Pferde reiten, während sich die Eltern an den lokalen Gerichten erfreuen. "Hausgemacht"-Schilder sucht man vergeblich - die eigene Zubereitung versteht sich in Zagorje noch von selbst. (apa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Burg von Trakoscan

Share if you care.