Interview: Sekt oder Prosecco?

27. Oktober 2004, 23:59
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Sekt gegen Prosecco lautet das Match bei prickelnden Getränken - Mit Schlumberger-Chef Gerhard Lacher sprach Günther Strobl über die Situation der Branche und Geiz-ist-geil-Kampagnen

STANDARD: Woran liegt es, dass Sekt nicht mehr so prickelt wie früher? Der Absatz geht seit Jahren zurück, im Sommer wird in Österreich bereits häufiger zu Prosecco gegriffen als zu Sekt.

Lacher: Das Italophile zieht. Bekleidung und Schuhe aus Italien sind seit Jahren ein Hit, italienisch Essen genauso, da passt auch der Prosecco hinein. Kommt hinzu, dass bei Sekt die letzten zehn, 15 Jahre so gut wie nichts passiert ist.

STANDARD: Die Branche hat sich zu lange auf den Erfolgen der Vergangenheit ausgeruht?

Lacher: Es gab lange Zeit wenig Anlass, Neues zu versuchen. Zwar hat die Branche auch früher keine großen Mengen verkauft, aber gutes Geld verdient.

STANDARD: Wie geht Schlumberger mit der Situation um?

Lacher: Wir müssen mehr als bisher die Produktqualität in den Vordergrund stellen und auf die Unterschiede in der Sektherstellung zwischen der "Traditionellen Flaschengärung" (früher Champagnermethode; Anm.) und einem Tanksekt oder Tankprosecco hinweisen. Bei unserer Methode wird der Sekt 18 bis 24 Monate in der Flasche vergoren, Tanksekt ist in wenigen Monaten hergestellt. International gibt es Anzeichen, dass der Konsument wieder hin zu qualitativ gehaltvolleren Produkten tendiert.

STANDARD: Haben sich die Trinkgewohnheiten verändert?

Lacher: Es ist schick geworden, ein Glas trockenen Weißweins als Aperitif zu trinken. Vor allem die jungen Leute beschäftigen sich intensiv mit dem ganzen Drumherum, besuchen Seminare, fahren zu Weinmessen. Das gibt auch uns wieder Hoffnung, dass sich künftig wieder Qualitätsprodukte behaupten werden.

STANDARD: Im Einzelhandel tobt eine Preisschlacht. Machen Sie da mit?

Lacher: Nein. Aber wir müssen dem Konsumenten erklären, warum er für Marken wie Schlumberger und Goldeck mehr bezahlt als für Konkurrenzprodukte. In Österreich kommt noch etwas hinzu: Es gibt bei uns zwei Handelsgruppen (Rewe und Spar, Anm.), die sich gegenseitig genau beobachten. Solange beide Preisdisziplin halten, gibt es kein Problem. Wenn aber einer der beiden beginnt, eine Marke preislich nach unten zu ziehen, dann brechen alle Dämme. Letztendlich ist es aber dem Handel überlassen, wie er kalkuliert und welche Preise er macht, darauf haben wir keinen Einfluss.

STANDARD: Sie aber versuchen Preisdisziplin zu halten?

Lacher: So ist es. Wir stellen keine Handelsmarken her, das hilft uns in der Argumentation genau so wie die Herstellermethode.

STANDARD: In Deutschland, Ihrem wichtigsten Auslandsmarkt, scheint bei den Preisen mehr eine Schlacht als ein Kampf im Gang zu sein.

Lacher: Deutschland ist einzigartig, wenn es darum geht, Werte zu vernichten. Nicht umsonst ist der Spruch "Geiz ist geil" dort ausgeheckt worden. Diese Politik schwappt leider auch auf Österreich über. Wenn aber die Preisspirale immer weiter nach unten gedreht wird, gehen viele Arbeitsplätze verloren. Wer soll dann noch unsere Produkte kaufen können?

STANDARD: Sie haben rationalisiert, sind effektiver geworden. Ist der Umbau des Unternehmens nun abgeschlossen?

Lacher: Ein Unternehmen lebt und ist ständig in Bewegung. Wir sind dabei, ein neues EDV-System einzuführen und nutzen diese Gelegenheit, das Unternehmen neu zu strukturieren. Gewisse Arbeitsabläufe lassen sich sicher noch effizienter abwickeln als bisher. Ein Stellenstreichen ist aber nicht angesagt. (DER STANDARD Printausgabe, 28.10.2004)

ZUR PERSON:

Zur Person

Gerhard Lacher (56) ist seit Anfang 2003 Vorstandsvorsitzender der Schlumberger AG, davor war er 25 Jahre bei Pago, zuletzt als Geschäftsführer.

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