Wenn man aufhört, das Falsche zu tun

18. Februar 2005, 14:32
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Die Alexander-Technik ist eine pädagogische Methode zur Vermeidung von Fehlhaltungen. Sie wird heute auch verstärkt zur Bewältigung von Stress eingesetzt

Wer kennt das nicht: Rückenschmerzen, ein steifer Nacken, verspannte Schultern nach stundenlangem Sitzen im Auto oder vor dem PC? Verspannungen, Schmerzen oder Verschleißerscheinungen sind häufig die Folge unbewusster falscher Bewegungs-und Haltungsmuster.

Die Alexander-Technik ist vor allem eine Methode, diesen ungesunden Prozess umzukehren - damit man dann entspannter und leistungsfähiger ist.

Atemlose Schauspieler, Geiger mit gelähmter linker Schulter, Oboisten mit steifer Oberlippe und Sportler mit Tennisellenbogen gehören zur "klassischen Klientel" von Lehrern und Lehrerinnen der Alexander-Technik.

Diese älteste der im Westen entstandenen Körpermethoden wurde Ende des 19. Jahrhunderts von dem australischen Schauspieler Frederick Matthias Alexander (1869- 1955) entwickelt.

Sie geht davon aus, dass Körper und Geist eine dynamische Einheit bilden: Erst ein Bewusstwerden der fehlerhaften Gewohnheiten, ein kurzes Innehalten, Sichfragen: "Wie will ich es anders machen?", ermöglicht es, Alternativen zu entwickeln.

Augen öffnen

Die Rolle von Alexander-Technik-Lehrern besteht darin, Schülern die Augen für diese Gewohnheiten zu öffnen und mit ihnen so lange zu üben, bis sie fähig sind, unabhängig vom Lehrer die Prinzipien der Alexander-Technik in ihren Alltag zu integrieren.

Die Lehrer arbeiten vor allem mit ihren Händen. Sie unterstützen die Schüler bei solch alltäglichen Handlungen wie Sitzen, Stehen und Gehen. Mit sanftem Druck machen sie sie auf die Körperbereiche aufmerksam, die übermäßig angespannt sind, und helfen ihnen, dort loszulassen.

Den "Unterricht" verstehen sie nicht als Therapie im Sinn der Schulmedizin, sondern als ein pädagogisches Konzept zur Selbsthilfe. In Europa ist die Alexander-Technik seit etwa hundert Jahren bekannt. Vor allem in den experimentierfreudigen 1920er-Jahren wurde die Bewegungslehre schnell populär.

Schriftsteller wie Aldous Huxley und George Bernhard Shaw zählten zu ihren Anhängern. Heute wird Alexander-Technik von Ärzten, Heilpraktikern und in Kliniken zur Unterstützung therapeutischer Maßnahmen etwa bei orthopädischen Problemen, psychosomatischen und stressbedingten Erkrankungen und Atemwegs- und Stimmproblemen empfohlen.

In der Schweiz werden die Kosten sogar von den Krankenkassen erstattet. Prominente Zeitgenossen wie der britische Thronfolger Prinz Charles, die Musiker Sting, Paul McCartney und Yehudi Menuhin sowie Matrix-Darsteller Keanu Reeves gehören zur wachsenden Zahl der Anhänger.

Freie Praxis

Lehrer und Lehrerinnen der Alexander-Technik sind meist in freier Praxis tätig. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Sie erfolgt in Österreich am Alexander Technique Teacher Training Center Vienna, einem privaten Ausbildungszentrum in Wien.

Voraussetzung sind eigene Erfahrungen mit der Alexander-Technik. Die derzeit elf Lehrerinnen und Lehrer sind in der Gesellschaft für F.-M.-Alexander-Technik Österreich zusammengeschlossen, die 2001 gegründet wurde.

Der Interessenverband der Alexander-Technik-Lehrer in Deutschland beging in diesem Jahr bereits sein 20-jähriges Bestehen. In England und den USA ist Alexander-Technik Pflichtfach an staatlichen Musik- und Schauspielschulen.

Diesem Vorbild folgen nun auch die Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz sowie die Sommerakademie des Mozarteums in Salzburg.(Der Standard, Printausgabe 23./24.10.2004)

Von Rebecca Hillauer

Adressen von Lehrern und Lehrerinnen der Alexander-Technik erhalten Sie über die Homepage der Gesellschaft für F.-M.-Alexander-Technik Österreich (G.A.T.OE): alexander technik at

.stat.org.uk

alexander-technik.org

alexandertechnik.ch
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