Hausverstand und Outperformance

22. Februar 2005, 20:15
posten

Zafar Ahmadullah, Fondsmanager des Schroder ISF EURO Equity hat klare Prinzipien - In Osteuropa investiert er deswegen nicht - Und von verwässerten Konsensentscheidungen hält er zudem wenig

Hart arbeiten und bei allen Überlegungen seinen Hausverstand einsetzten. Das sind laut Zafar Ahmadullah, Fondsmanager des Schroder ISF EURO Equity und Schroder ISF European Equity Alpha, wichtige Erfolgsfaktoren für überdurchschnittlich gutes Portfoliomanagement. Er selbst gönnt sich wenig Zeit um auszurasten: „Eigentlich nur am 1. Januar, denn da ist das alte Jahr vorbei und im neuen Jahr kann dich noch kein Konkurrent überholt haben“, gesteht der gebürtige Inder.

Keep it simple

In einem immer komplexer werdenden Arbeitsumfeld, lässt er sich nicht verwirren: „Man muss alles so einfach und verständlich wie möglich halten. Nur was ich auch verstehe kaufe ich“. Klare Verantwortungsbereiche scheut Ahmadullah nicht: „Ich allein muss schlussendlich für beide Produkte den Kopf hinhalten, wenn etwas schief geht“. Denn obwohl er die Team-Mitglieder in den Investmentprozess stark integriert hat, hält er von reinen Team-Entscheidungen wenig: „Da wird am Ende immer ein Kompromiss geschlossen. Gegen den Strom kann man so aber nicht schwimmen“. Und genau das will Ahmadullah: „Um an den Finanzmärkten langfristig erfolgreich zu sein, ist es notwendig antizyklisch handeln“.

In den letzten Jahren dürfte ihm das gut gelungen sein: Seit Oktober 1999 erzielte der Schroder ISF EURO Equity kumuliert +17 Prozent, der MSCI EMU verlor dagegen -10 Prozent. Und auch anhand der risikoadjustierten Performance (Sharpe Ratio) liegt Ahmadullah auf Platz eins von 75 Euroland-Aktienfonds mit 5-Jahres-Historie.

Ehrgeizige Anlageziele bei beiden Produkten

e-fundresearch: Herr Ahmadullah, wie stellen sich die konkreten Anlageziele des Schroder ISF EURO Equity bzw. des Schroder ISF European Equity Alpha dar?

Zafar Ahmadullah: Der Schroder ISF EURO Equity hat es sich zum Ziel gesetzt mit Anlagen in Euroland-Aktien den MSCI EMU über einen Zeitraum von 3 Jahren pro Jahr um 3 Prozent zu schlagen. Der Schroder ISF European Equity Alpha ist etwas aggressiver positioniert und will den MSCI Europe über einen Zeitraum von 3 Jahren um 5 Prozent pro Jahr outperformen.

„Wir machen nur was wir auch können“

e-fundresearch: In der Vergangenheit haben sie diese Ziele erreicht. Wie schaffen sie es eigentlich so konstant im ersten Quartil ihrer Vergleichgruppe zu liegen?

Zafar Ahmadullah: Wir konzentrieren uns zu 100 Prozent auf die richtige Auswahl von Aktien. Dabei benutzen wir aber auch viel Hausverstand, denn zu kompliziert darf man es nie werden lassen. Was ich mache unterscheidet sich jedoch kaum von anderen Europa-Aktienfondsmanagern. Die Konsistenz unserer Performance stammt wahrscheinlich daher, dass wir nur machen was wir auch können. Dinge die wir uns nicht zutrauen lassen wir lieber bleiben. Nicht mehr und nicht weniger.

„An den Unternehmen dran bleiben“

e-fundresearch: Welche Rolle spielen für Sie eigentlich makrowirtschaftliche Entwicklungen?

Zafar Ahmadullah: Wir haben natürlich eine Meinung über die weitere Entwicklungen der Volkswirtschaften in Europa. Generell wollen wir aber so nahe wie möglich an den einzelnen Unternehmen dran bleiben. Diese bewegen sich nicht in einem Vakuum, sondern vor dem Hintergrund einzelner Makro-Trends. Deswegen muss man diese natürlich schon beachten.

e-fundresearch: In beiden Fonds halten Sie derzeit rund 10 Prozent an Liquidität und bewegen sich damit an der oberen Grenze. Warum?

Zafar Ahmadullah: In letzter Zeit gab es bei beiden Produkten starke Mittezuflüsse. Wir wollen das Geld aber nicht sofort investieren, sondern erst auf weitere Investmentgelegenheiten warten. Sobald sich diese bieten, werden wir zukaufen.

Osteuropa nicht als Kernkompetenz

e-fundresearch: In Osteuropa wollen sie damit nicht investieren?

Zafar Ahmadullah: Ich habe nichts gegen Osteuropa. Aber wir sind für diese Region einfach keine Spezialisten, das machen andere besser. Auch wollen wir nicht zusätzliche Risiken, wie etwa Währungsrisiken, eingehen. Unsere Konzentration auf Kernkompetenzen hat sich in der Vergangenheit ausgezahlt und dabei bleiben wir auch zukünftig.

Lustloser Ausblick für Europa

e-fundresearch: Wie geht es mit der europäischen Konjunktur weiter und wie lautet ihr Ausblick für europäische Aktien in den nächsten 12 Monaten?

Zafar Ahmadullah: Mein Ausblick für die europäische Wirtschaft ist eigentlich nicht sehr positiv. Andere Weltregionen, etwa Asien, sehen besser aus. Der hohe Ölpreis drückt hierzulande auf die Konjunktur. Auch sehen wir das Risiko einer Immobilienblase in Großbritannien und Spanien. Wie es für europäische Aktien vor diesem Hintergrund weitergeht, weiß ich selbst nicht. Durch gutes Stock-Picking sollte aber auch in den nächsten 12 Monaten eine Outperformance gegenüber dem breiten Markt möglich sein.

e-fundresearch: Was würden Sie eigentlich einem Anleger raten, der jetzt vor der Entscheidung steht in europäische Aktien zu investieren? Europa oder nur Euroland?

Zafar Ahmadullah: Ehrlichgesagt weiß ich auch nicht was zukünftig besser wäre. Ich würde deshalb privat 50/50 in Europa bzw. Euroland investieren.

e-fundresearch: Vielen Dank für das Gespräch!

Performancedaten per 15.10.2004 in Euro / Datenquelle: Lipper

LINK: Den gesamten Artikel mit Audio Interview finden Sie hier.

In Kooperation mit
  • Artikelbild
Share if you care.