Nachlese: 78 Menschen bei Transport in Militärlager erstickt

6. Dezember 2004, 18:35
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Regierung verteidigt Vorgehen bei Unruhen - 1.300 Menschen wurden in vier Lastwagen gepfercht

Takbai/Bo Thong - Nach dem Tod von über 80 Menschen bei Unruhen im Süden Thailands hat das Justizministerium schwere Vorwürfe gegen die Sicherheitskräfte erhoben. 78 Menschen seien erstickt, weil sie nach ihrer Festnahme in völlig überfüllte Lastwagen gepfercht worden seien, sagte ein Gerichtsmediziner des Justizministeriums am Dienstagabend.

Der stellvertretende Militärkommandant der Region, Generalmajor Sinchai Nujsathit, bestätigte: "Wir hatten mehr als 1.300 Menschen in den Lastwagen." Sechs weitere Personen wurden bei den Unruhen erschossen.

Gewaltsame Proteste muslimischer Jugendlicher

Die Festnahmen folgten auf gewaltsame Proteste muslimischer Jugendlicher vor einer Polizeiwache in der Provinz Narathiwat. Rund 2.000 junge Leute hatten am Montag vor der Wache in Takbai randaliert und die Freilassung von sechs Inhaftierten gefordert. Sie warfen mit Steinen auf Polizisten, kippten Fahrzeuge um und versuchten mehrfach, die Wache zu stürmen. Bereitschaftspolizei und Soldaten setzten Wasserwerfer, Tränengas und scharfe Munition ein, um die Menge auseinanderzutreiben.

Nach sechs Stunden wurde die Polizei schließlich Herr der Lage und ließ 1.300 Personen in Militärlager abtransportieren. Wie viele Lastwagen genau eingesetzt werden, war unklar. Zusätzlich zu 25 Militärfahrzeugen seien weitere von Privatunternehmen angemietet worden, teilten die Streitkräfte mit.

"Niemand hat ihnen etwas getan"

Noch kurz vor der offiziellen Bekanntgabe der Todesursache hatte der thailändische Ministerpräsident Thaksin Shinawatra die islamische Tradition des Ramadan-Fastens für die hohe Opferzahl verantwortlich gemacht. "Einige sind gestorben, weil sie gefastet haben, und sie wurden eng zusammengepackt", sagte der Regierungschef in einer Pressekonferenz. "Ihre Körper waren geschwächt. Niemand hat ihnen etwas getan."

Regierung verteidigt Vorgehen bei Unruhen

Nach dem Tod von mehr als 80 Menschen bei Unruhen im Süden Thailands hat das Justizministerium schwere Vorwürfe gegen die Sicherheitskräfte erhoben. 78 Todesopfer waren erstickt, weil sie nach ihrer Festnahme am Montag in völlig überfüllte Lastwagen gepfercht wurden. Ministerpräsident Thaksin Shinawatra räumte ein, dass es bei dem Vorgehen von Polizei und Soldaten "einige Fehler" gegeben habe.

"Moderates" Vorgehen

Grundsätzlich verteidigte er den Einsatz gegen die muslimischen Jugendlichen jedoch. Die Sicherheitskräfte seien moderat gegen die Randalierer vorgegangen, sagte Thaksin. Allerdings hätten Behörden für die 1.300 Festgenommenen nicht genügend Lastwagen zur Verfügung gestellt.

Die thailändischen Sicherheitskräfte kämpfen seit Monaten gegen die zunehmende Gewalt im mehrheitlich von Muslimen bewohnten Süden des Landes an, wo seit Anfang des Jahres zahlreiche Anschläge verübt wurden.

Am 28. April schossen Sicherheitskräfte 107 überwiegend jugendliche Angreifer nieder, die Polizeiwachen und Posten der Zivilverteidigung zu stürmen versuchten. Die Sicherheitskräfte waren vorab gewarnt worden; in ihren Reihen wurden nur fünf Personen getötet. Die meisten Angreifer waren nur mit Buschmessern bewaffnet. (APA/AP)

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