"The Door in The Floor": Gefangen in der Traurigkeit

26. März 2005, 22:31
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"The Door in The Floor" nach John Irving und mit Jeff Bridges und Kim Basinger in den Hauptrollen

Wien - Jeff Bridges' sonore Stimme setzt den Tonfall. Sie hat diesen immer schon leicht verschlurften und dabei angenehm gelassenen Klang. Eine Qualität, die hier nicht nur in Bezug auf zu beruhigende Kinder ihre Wirkung tut. Auch als Zuschauerin wird man sofort in eine andere Stimmung überführt und in leichte Distanz zur Realität gebracht.

Der Film hat diesen träumerischen, vereinnahmenden Sog. Dabei werden ganz diesseitige Themen verhandelt: Bridges, einer der interessantesten Darsteller seiner Generation, spielt in The Door in The Floor (der den unnötig plakativen deutschen Titel Die Tür der Versuchung verpasst bekommen hat) Ted Cole. Er ist Autor von Kinderbuchbestsellern, die an Dr. Seuss gemahnende Titel tragen wie A Sound Like Someone Trying Not to Make A Sound oder auch The Door in The Floor.

Ted verbringt die Sommer in den Hamptons, gemeinsam mit seiner Frau Marion (Kim Basinger) und seiner kleinen Tochter Ruthie (verkörpert von Elle Fanning, dem entspanntesten Filmkind seit langem). Die Wände im Haus sind tapeziert mit Kinderfotos. Es sind jedoch die Fotos toter Kinder: Der frühe Tod der beiden Söhne lastet auf dem Haushalt - die Ehe von Marion und Ted ist in Auflösung begriffen. Sie erscheint wie gefangen in ihrer Traurigkeit, er hat sich den Habitus eines Künstlerfürsten zugelegt und ist mit der Betreuung einsamer Sommerwitwen befasst.

Das Engagement eines jugendlichen Assistenten (Jon Foster) bringt Bewegung in die Routine: Der schüchterne Eddie - "bored and horny, too" wie man in der Vorlage lesen kann - wird Marions Geliebter. Eine Verbindung, die eine lebenslange unerfüllte Liebe nach sich ziehen wird und die Marion einen überraschenden Ausweg aus dem für sie nicht mehr länger zu ertragenden Familienverbund weist.

The Door in The Floor ist ein gelassener, fast schon gediegener Film - die Streicher, die musikalische Akzente setzen, kommen hörbar nicht aus dem Computer, die Aufnahmen der Küstenlandschaft wirken manchmal fast schon eine Spur zu schön. Ein Film, der im Kontext des Hollywood-Kinos auf angenehme Art altmodisch wirkt - wenn da nicht ein Umgang mit Körperlichkeit und Sexualität gepflogen würde, der in seiner Selbstverständlichkeit (und Dezenz) wiederum nahezu gewagt erscheint. Kim Basinger in der Rolle einer nicht mehr ganz jungen, um nichts weniger begehrenswerten klugen Frau ist gut wie lange nicht.

Inszeniert hat den Film der junge US-Regisseur Tod Williams. Williams hat auch das Drehbuch verfasst, ausgedacht hat sich die Geschichte ein anderer: The Door in The Floor basiert auf dem ersten (und besten) Teil von John Irvings Roman A Widow for One Year. Williams hat sich sehr eng an die Vorlage gehalten, und The Door in The Floor ist dabei ein Schauspielerfilm im besten Sinne geworden.

Was das heißen kann, wird nicht zuletzt gegen Ende des Films noch einmal deutlich: Jeff Bridges erzählt seinem jugendlichen Kontrahenten die Geschichte jener Nacht, als seine beiden Söhne bei einem Autounfall starben. Und der Regisseur verzichtet die längste Zeit auf die Bebilderung dieser Erzählung, überlässt es seinem Darsteller, diese Urszene des familiären Traumas zu übermitteln, bevor dann doch fragmentarische Rückblenden zum Einsatz kommen. (DER STANDARD, Printausgabe, 27.10.2004)

Von Isabella Reicher

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thedoorinthefloor.com
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    foto: thedoorinthefloor.com
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