Gewagte Sprünge und Schlabber-Shirts

15. Dezember 2004, 18:31
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In Deutschland wurden am Wochenende die neuen Breakdance-Weltmeister gekürt - neben dem Tanz selbst steht bei der Sportart vor allem die Mode im Vordergrund

Der Titel klingt bedrohlich. Doch mit Gewalt hat "Battle of the Year", die Schlacht des Jahres, nichts zu tun. Die 18 besten Breakdancer-Crews trafen sich am Samstagabend in Braunschweig, um vor mehr als 8000 begeisterten Fans die Weltmeister 2004 zu küren. Die Schwerkraft spielte dabei kaum eine Rolle: Sprünge, Drehungen und halsbrecherische Choreografien brachten die Zuschauer zum Toben. Die Gruppe "Gambler" aus Südkorea überzeugte die fünfköpfige Jury und holte den Titel. Den zweiten Platz sicherten sich die französischen Mitfavoriten von "Fantastik Armada", über Rang drei freuten sich die deutschen Jungs von den "Stuttguards" und über Platz vier die Crew "Break the Funk" aus Italien.

Weite Hosen, Schlabber-Shirts und Mützen - ohne dieses Zubehör geht es nicht bei den selbst ernannten "B-Boys". "Damit ist es cooler", meint Serkan aus Salzgitter. Auf der Bühne geht es aber heiß her. Auch wenn Breakdance keine richtige Sportart mit klaren Regeln ist - Untrainierte haben keine Chance. So stehen die Tänzer oft auf einer Hand, drehen sich zigmal um die eigene Achse. Die Jury zählt die "Styles", Schrittkombinationen am Boden, und es kommt auf die richtigen "Power Moves" an, Sprünge und Drehungen in alle erdenklichen Richtungen. Schließlich wird der "Electric Boogie" bewertet, bei dem die Tänzer sich wie Roboter ruckartig bewegen.

In den Endrunden um die Plätze eins bis vier der WM stehen sich die Crews gegenüber: Es wird "gebattelt", der direkte Vergleich entscheidet über den Sieg. Alles bleibt fair, Berührungen sind streng verboten, die Tänzer feuern sich gegenseitig an. Verlierer gibt es an diesem Abend nicht, alle Teilnehmer wurden bejubelt. Neid und Missgunst - Fehlanzeige.

Für eine Überraschung sorgten die Breakdancer aus der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Die Experten hatten die "Stuttguards" nicht auf der Rechnung, doch sie tanzten sich auf den dritten Platz. "Damit haben wir echt nicht gerechnet, wir reden hier ja von einer WM. Es ist einfach geil", sagte Tänzer Saimon. Sogar ohne Platzierung wären die Jungs zufrieden gewesen.

Den wummernden Beats konnten auch viele Fans nicht widerstehen: Jeder Winkel wurde genutzt, um Schritte und Figuren zu üben und zu zeigen. Dabei blieben alle Knochen heil. Die 20 Helfer des Malteser- Hilfsdienst hatten wenig zu tun. "Für so eine Veranstaltung war es erstaunlich ruhig", sagte Helfer Frank Stautmeister.

Zum 15. Mal wurde "Battle of the Year" ausgetragen. Nach Angaben der Organisatoren ist es weltweit die größte Veranstaltung dieser Art. Wer hier startet, gehöre zu den Besten der Besten. Für die Breakdancer in Deutschland ist die Tanz-Schlacht ein Glücksfall. Mit 400 Besuchern und einer Hand voll Tänzern aus Europa hatte Organisator Thomas Hergenröther 1990 in Hannover angefangen: "Dass so was daraus wird, haben wir uns nie träumen lassen." (apa)

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