klez.e: "Leben daneben"

    4. Oktober 2005, 12:53
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    Zwölf Klagelieder für den Herbst - eine weitere Folge aus unserer Reihe "Musik als Gefühlsverstärker"

    Warum stehen eigentlich alle so auf den Sommer? Man kommt um vor Hitze, schwitzt wie ein Pavian und wird dabei noch von einem Quadrillionen-Watt-Scheinwerfer bis in die letzte Pore ausgeleuchtet.

    ... nein, jetzt ist's schön. Dieses Faktum geht bloß in einem Meer missmutiger Herbstgesichter unter - und hier kommt "Leben daneben" ins Spiel, als weitere Folge aus unserer Reihe "Musik als Gefühlsverstärker". Das Gefühl hier: Unzufriedenheit.

    Fake! Fake! Fake! Fake!

    klez.e aus Berlin machen sich - teils durch stakkato-artigen Parolengesang einbläuend - zum Sprachrohr der Wahrnehmung, dass etwas an der Schnittstelle von Privatem und Gesellschaft nicht in Ordnung sein kann. Was genau, wird selten konkret angesprochen. Wovon Tobias Siebert singt, ist eine ebenso diffuse wie universale Unzufriedenheit: "Du willst dein Leben anders als jetzt - irgendwann..." Und selbst wenn es einmal heißt: "ich glaub das war's, was uns aufhält glücklich zu sein", darf man die Leerstelle mit eigenen Problemen auffüllen.

    Selbstzweifel, mal in Resignation und mal in Wutausbrüche mündend - das alles findet seine musikalische Entsprechung: klez.e werden am häufigsten mit Notwist und Radiohead verglichen; Österreichern läge vielleicht eher das Wort Garish auf der Zunge, nicht zuletzt wegen Sieberts speziellem, manchmal durchaus anstrengendem Gesangsstil.

    Wir sind alle nur Statisten hier - du auch

    Gitarrenrock mit melancholischer Grundstimmung ist die Basis; eine gar nicht so kleine Palette digitaler wie analoger Electronica füllt die Zwischenräume zwischen der ruhigen Klangbasis und den gelegentlichen Gitarren-Hooklines. Und nichts jammert so glaubwürdig wie ein Theremin.

    Natürlich kann die textliche und musikalische Melancholie leicht in Larmoyanz umkippen. Da tut es dann gut, wenn mit "Du auch" spät aber doch ein richtig schneller Song eingebaut wird; neben "Leben im Glas" - ein Klagelied par excellence - das wohl schönste Stück auf "Leben daneben".

    "Attitüde: Sozialwissenschaftler" ist klez.e mal in einer Rezension attestiert worden. Muss man sich nicht abschrecken lassen von.
    (Josefson)

    klez.e: "Leben daneben" (Loob Musik/Wohnzimmer 2004)

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    Wohnzimmer
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      coverfoto: loob musik
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