"Lieber Austern mit Ketchup"

16. Februar 2005, 13:28
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Dolly Buster verspeist zum Start der RTL-Dschungelshow drei Maden - Trotz Quotenschwund der "Lugners" in ATVplus täte Baumeister Lugner das niemals ...

Dolly Buster verspeist zum Start der RTL-Dschungelshow drei Maden. Trotz Quotenschwund der "Lugners" in ATV+ täte Baumeister Richard Lugner das niemals, erklärte er dem STANDARD.

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STANDARD: RTL schickt ab wieder Promis wie Dolly Buster in den Dschungel. Zwei Wochen Wildnis: Nichts für Sie?

Richard Lugner: Ich war in meinem Leben drei Mal wirklich auf Urlaub, im Moment könnte ich von der Firma gar nicht weg.

STANDARD: Und wenn Sie einen Stellvertreter fänden: Kakerlakenbad und Madenessen für 30.000 Euro?

Lugner: Austern mit Ketchup sind mir lieber. Ich bleib im "Mausi"-Format ...

STANDARD: ... bei dem sich gewisse Ermüdungserscheinungen einstellen. Letzten Dienstag wollten nur 95.000 "Die Lugners" sehen.

Lugner: Ich weiß, Mausi ist darüber auch nicht glücklich. Wir wollen in Zukunft mehr Specials machen und damit das Publikum zurückholen. Zum Beispiel mit Reisen auf die Malediven, nach Kuba, Indien oder in den Iran. Abgesehen davon glaube ich aber nicht, dass das Zählwerk vom ORF stimmt. Mich sprechen so viele auf die Sendung an.

STANDARD: Wie sehr steuern Sie die Handlung?

Lugner: Die Streitereien sind leider echt. Meine Frau liebt es, zu streiten. Sie meint, dass es wichtig ist, Konflikte auszutragen. Grundsätzlich vergisst man aber die Kamera ganz schnell. Wenn ich glaube, einen "Sager" zu haben, wiederhole ich ihn aber manchmal schon. Meine Tochter Jacky war anfangs sehr kamerascheu. Sie piepst auch jetzt noch, aber es ist schon besser geworden, weil der Kameramann gut mit ihr kann.

STANDARD: Die Frage ist, ob "Die Lugners" Ihrer Ehe gut tun?

Lugner: Ich will hier ehrlich gesagt mein Privatleben nicht kund tun, sondern über "Die Lugners" reden.

STANDARD: Sie geben Ihr Privatleben doch jede Woche kund?

Lugner: Das Streiten ist sicher etwas, das ich nicht mag und was auch nicht vor meiner Tochter sein sollte, aber meine Frau ist eben sehr emotional.

STANDARD: "Die Lugners" dauern eine Stunde, wie oft sind die Kameras dabei?

Lugner: Sechs Stunden für eine Sendung, früher waren es zehn.

STANDARD: Was ist so schön daran, in den Medien zu sein?

Lugner: Es macht mir Spaß darin vorzukommen, und ich bin überzeugt, dass es meinem Einkaufszentrum, der Lugner-City förderlich ist. Die Medienpräsenz kam aber mit meiner jetzigen Frau, weil sie mit Jeanine Schiller befreundet ist. Mittlerweile steht in jedem Zeitungsartikel: "Lugners und Schiller waren auch da". Das gefällt mir.

STANDARD: Das hat sich aber ein wenig verselbständigt.

Lugner: Ich weiß, dass ich ein schlechtes Image in der Öffentlichkeit habe. Es heißt: "Der Lugner drängt sich ständig in die Medien." Aber damit kann ich gut leben. Mir geht es um den Erfolg als Geschäftsmann, dazu gehört Marketing. Und die Marke bin eben ich.

STANDARD: Aus den "Seitenblicken" sind Sie weitgehend verschwunden. Ist der ORF böse auf Sie?

Lugner: Ob ich zu Weihnachten bei "Licht ins Dunkel" am Spendentelefon sitze, ist tatsächlich nicht sicher. Beim Opernball können sie allerdings nicht auf mich verzichten, denn da will der ORF immer auch beim Lugner vorbei schauen dürfen. (DER STANDARD; Printausgabe, 23./24.10.2004)

Zur Person

Aus einem fünfminütigen Beitrag im Rahmen eines Boulevardmagazins auf ATV+ wurde 2000 die einstündige Dokusoap "Die Lugners". Egal ob der 72-Jährige mit Gemahlin Mausi und Tochter Jacky Einkaufen geht, Geburtstag feiert oder am Wörthersee Urlaub macht: Die Kamera ist dabei. Das Format gehört zu den meist gesehenen Sendungen des Senders.

Die Fragen stellte Doris Priesching

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Richard Lugner

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