Autismus und Computer

29. Oktober 2004, 15:04
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Computer sollen nicht nur eine lerntechnische Unterstützung für Betroffene bieten, sondern auch therapeutische Hilfe

London - Die britischen Autismus-Experten Dinah Murray und Mike Lesser haben eine Webseite gelauncht, die über theoretische sowie praktische Aspekte des Autismus Auskunft gibt und diese mit Videosequenzen und Links untermalt. Die deutsche Website http://www.autismusundcomputer.de und ihr englisches Gegenstück http://www.autismandcomputing.org.uk heben hervor, dass Computer eine ideale Umgebung zur Förderung der Kommunikation, der sozialen Fähigkeiten, der Kreativität und der Spielfreude für Personen selbst am extremen Ende des autistischen Spektrums darstellen. Die Website wurde von der Non-Profit-Organisation "Autismus und Computer" in Auftrag gegeben, die zum Ziel hat, Wege zu erkunden, die Autisten zu einem erfüllten Leben verhelfen.

Auch therapeutische Hilfe

Die Computer sollen nicht nur eine lerntechnische Unterstützung für Betroffene bieten, sondern auch therapeutische Hilfe. Sie geben Raum für Spiel, Erkundung und Kreativität in einer geschützten Umgebung, die keine verbalen Anforderungen stellt. Während nicht betroffene Menschen meistens eine vielfach geteilte Aufmerksamkeit aufweisen, in der Informationen leicht verarbeitet werden können, haben Autisten einen Aufmerksamkeitstunnel, in dem die Dinge isoliert und ohne Zusammenhang erscheinen.

Lesser und Murray kommen zu dem Schluss, dass sich Autisten nur auf wenige Aufgaben gleichzeitig konzentrieren können. Computer ermöglichen es, an den Aufmerksamkeitstunneln der Betroffenen zu partizipieren, ohne sich gegenseitig zu behindern. Dadurch kann den am stärksten behindernden Merkmalen der Störungen des autistischen Spektrums aus dem Weg gegangen werden.

Ein anderes Verständnis

Murray und Lesser verstehen Autismus nicht als Krankheit, die sich behandeln ließe. Autistische Menschen haben laut diesen Experten eine Art von Verstand, die sie daran hindert eine konventionelle Beschäftigung zu finden. Einen ökonomischen Rahmen empfinden die Wissenschaftler jedoch als Grundlage für ein glückliches Ergebnis. Unter positiven Umständen ist es Menschen mit der Fähigkeit zur tiefen Konzentration möglich, sich Talente anzueignen, die über jene von Menschen mit einem breiten Verstand hinausgehen.

Die Non-Profit-Organisation hat einen Film über die Möglichkeiten gemacht, monotropischen Menschen mit dem Einsatz von Computern zu helfen. Dieser Film ist über das Londoner Büro der Organisation erhältlich. "In ganz Europa ist es leider sehr schwierig, Hilfe in sehr guter Qualität für Menschen in dem autistischen Spektrum bereitzustellen", heißt es seitens Autismus und Computer. Als Ursache sehen die Experten das fehlende Verständnis für die Natur des Autismus. (pte)

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    foto: photodisc
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