Fragezeichen vor Herren-RTL

24. Oktober 2004, 10:49
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Breiter Favoritenkreis in heutigem Sölden-Rennen durch Materialwechsel - Raich, Schifferer heißeste ÖSV-Eisen

Sölden - Im Lager der Ski-Herren herrscht vor dem heutigen Riesentorlauf in Sölden Spannung pur. Die zehnköpfige ÖSV-Truppe steht vor der ersten Standortbestimmung auf dem selektiven, steilen Rettenbachferner und vor einem Auftakt voller Fragezeichen. Die schwachen RTL-Ergebnisse in der vergangenen Saison, die zahlreichen Rücktritte, die vielen teaminternen Materialwechsel und die bärenstarke internationale Konkurrenz haben das "Powerteam" aber nicht aus der Fassung gebracht. "Die Karten werden neu gemischt", brachte Herren-Chef Toni Giger die vielen Veränderungen in der Sommerpause auf den Punkt.

Benni Raich und Co. blicken dem Auftakt zuversichtlich entgegen. "Ein guter Start ist wichtig, er gibt Selbstvertrauen für die bevorstehende Saison", so der Pitztaler, der auf dem Gletscher und im Gesamt-Weltcup zu den Topfavoriten zählt. Dass Sölden aber nicht viel mehr als ein erster Gradmesser ist, bestätigte auch ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel: "Sölden ist ein Maßstab, aber Sölden ist nicht alles. Wenn wir hier nicht siegen sollten, dann werden wir das eben später machen."

Raich und Schifferer in Form

Laut Technik-Coach Gert Ehn sind Benjamin Raich und Andreas Schifferer die derzeit formstärksten und konstantesten ÖSV-Riesentorläufer, für die drei Bestzeiten bei der ÖSV-internen Qualifikation am 13. Oktober auf dem Söldener Gletscher hatten Schifferer (zwei Mal) sowie Gesamt-Weltcup-Sieger Hermann Maier gesorgt.

Gleich im Ötztal wird dem Weltcup-Tross alles abverlangt. "Sölden ist einer der schwierigsten Riesentorläufe des ganzen Winters", sind sich die beiden Tiroler Raich und Christoph Gruber vor ihrem Heimrennen einig. Schuld daran ist die Entfernung jenes Weges, der den schwierigen Steilhang zweigeteilt hatte. "Jeder Fehler wird schwer bestraft. Es ist enorm schwierig, den richtigen Rhythmus zu finden", so Gruber, der diesmal von Anfang an im Gesamt-Weltcup ein Wörtchen mitplaudern will.

Viele Läufer mit neuem Material

Eine entscheidende Rolle wird in Sölden das Material spielen, in diesem Bereich steht man ÖSV-intern vor dem größten Fragezeichen. Denn Gruber ist einer von gleich vier ÖSV-RTL-Startern, die in der Sommerpause das Material gewechselt haben. Neben dem Schwazer, der von Atomic zu Salomon wechselte, wagten auch Hans Knauß (Atomic - Fischer), Mario Matt (Salomon - Fischer) und Andreas Schifferer (Atomic - Rossignol) so wie US-Boy Bode Miller den Schritt zu einem neuen Ausrüster.

Lediglich ein Sieg (Benni Raich am 3. Jänner 2004 in Flachau) war den ÖSV-RTL-Herren in der vergangenen Saison gelungen, vor allem bei unruhiger Piste und aggressivem Schnee hatte man große Probleme. In Sölden wartet im Gegensatz zu den später folgenden Kunstschneerennen mit Wasser präparierter Gletscherschnee, laut Technikcoach Ehn "Bedingungen, die uns eigentlich stets gut gelegen sind." Entscheidend sei auch die Tatsache, wie gut die Piste hält, schließlich gehen Kaliber wie Maier oder Rainer Schönfelder erst mit höheren Startnummern ins Rennen.

"Ich hoffe, dass ich diesmal im Riesentorlauf öfter als ein Mal gewinne", meinte Raich, der sich vergangene Woche mit kleineren Kreuzproblemen herumschlagen musste, aber dennoch für den vierten Sieg der ÖSV-Herren in Sölden nach Maier (1998 und 2000) sowie Stephan Eberharter (2002) sorgen will. Bei den offiziellen ÖSV-Tests belegte der Pitztaler die viel versprechenden Plätze 2, 2 und 3. Raich, der so wie Trainingsgefährte Maier mit neuen Atomic-Schuhen am Start sein wird: "Saisonauftakt und Heimrennen - Sölden ist immer ein ganz besonderes Event." (APA)

ÖSV-Aufstellung für den Weltcup-Riesentorlauf der Herren am Sonntag in Sölden - 1. Durchgang: 9:45 Uhr, 2. Durchgang: 12:30 Uhr: Stephan Görgl, Christoph Gruber, Hans Knauß, Hermann Maier, Mario Matt, Benjamin Raich, Hannes Reiter, Andreas Schifferer, Rainer Schönfelder, Michael Walchhofer

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