Die Damen eröffnen die Saison

23. Oktober 2004, 11:11
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Warmwetter sorgt für eisige Sölden-RTL-Piste: Grimmiger Gletscher-Auftakt - Hosp traut sich beim ersten Angriff auf Pärson Sieg zu

Sölden - Eine anspruchsvolle Eröffnung des Skiwinters erwartet die Damen am Samstag beim traditionell ersten Riesentorlauf der Saison auf Söldener Gletschereis (9:45/12:30 Uhr/live ORF 1). Wegen des Warmwetters wird der Extrem-Hang auf dem 3.000 m hohen und steilen Rettenbachferner sein grimmiges, sprich eisiges Gesicht zeigen. Vor dem ersten Angriff auf Weltcup-Titelverteidigerin Anja Pärson gab sich vor allem eine Österreicherin selbstbewusst, denn Niki Hosp traut sich die Wiederholung ihres Sensationssieges von 2002 durchaus zu.

Der einzigartige Dreifacherfolg vor zwei Jahren, als sich Hosp ihren ersten Weltcupsieg mit Andrine Flemmen (fehlt heuer verletzt) und der Slowenin Tina Maze teilen musste, ist ebenso noch in guter Erinnerung wie der brutale Sturz um Vorjahr, der für Hosp ebenso im Krankenhaus endete wie am 26. Jänner der Ausrutscher beim Joggen. Und obwohl sie zuletzt neuerlich über Müdigkeit klagte und pausierte, geht die Tirolerin zuversichtlich ins erste Saisonrennen. "Ich fühle mich besser als im Vorjahr. Ich habe Selbstvertrauen und trau' mir einen Sieg zu", so die Bichlbacherin.

Der schwierigste Riesentorlauf der Saison

Sölden gilt als der schwierigste Riesentorlauf der Saison, ist der einzige auf "Naturschnee" und deshalb nicht unbedingt ein Maßstab für den Rest des Jahres. Viele Läufer/innen werden vom frühen Start im Namen der Industrie auf dem falschen Fuß erwischt, aber heuer ist ja noch fünf Wochen Zeit, bis es in Nordamerika weiter geht. Sölden und der Rest der Saison sind daher für viele zwei Paar Schuhe.

Wie auch für die Titelverteidigerin Pärson. Sie hat sich im März als erste schwedische Weltcup-Gesamtsiegerin seit Pernilla Wiberg ihren Lebenstraum erfüllt. Dementsprechend locker und zuversichtlich geht die 23-Jährige in die WM-Saison, denn alles was jetzt kommt, ist ein Bonus. Deshalb hat die "Schwedenbombe" aus Tärnaby im Sommer mit den deutschen Damen intensiv in Chile Abfahrt und Super G trainiert und will alle Rennen bestreiten.

Pärson: "Saison beginnt in Aspen"

Vater Anders Pärson ist jetzt praktisch ihr Privatcoach und setzt am Samstag auch den ersten Lauf. "Das erste Rennen ist aber immer ein bisschen komisch. Ich will es irgendwie hinter mich bringen, die Saison beginnt aber auch für mich erst in Aspen.", so Pärson. "Insgesamt war ich aber noch nie so relaxed wie vor dieser Saison."

Genau dort hakte die große Weltcup-Herausforderin Renate Götschl ein. "Ich bin ein paar Jahre älter als Anja, also noch viel entspannter" scherzte die steirische Speed-Queen, die sich ebenfalls in allen Disziplinen vorbereitet hat. Mit 29 Jahren und einer schweren Knieverletzung als ewiges Andenken wird Götschl aber wieder brutalen Kampfgeist und Moral zeigen müssen, denn als Speed-Spezialistin hat sie die eindeutig schlechteren Karten.

Götschl will einen RTL gewinnen

Neben der großen Kristallkugel ist ein Riesentorlauf-Sieg Götschls sportliches Lebensziel. "Bevor ich aufhöre will ich das schaffen." Am Samstag wohl eher noch nicht, obwohl sie in der internen Sölden-Qualifikation erstmals eine Bestzeit erzielte. "Sowas habe ich bisher noch nie geschafft."

Zu den jungen Wilden zählt neben Hosp, Elisabeth Görgl usw. auch Maria Riesch. Die Deutsche gewann vergangenen Winter in Abfahrt, Super G und Slalom und war Dritte im Gesamt-Weltcup. "Ich wäre schon froh, wenn ich eine Saison wie die vergangene hätte", hält sich die 19-Jährige mit Prognosen aber zurück. "Irgendwann wird der Weltcup für mich sicher ein Thema, in Sölden bin ich nie wirklich gut gefahren. Irgendwie werd' ich's schon runter bringen."

Dorfmeister trainierte mit Maier

Bleiben die Dauerbrenner: Neben Alexandra Meissnitzer ("Ich bin im Flachen viel besser geworden") ist das vor allem Michaela Dorfmeister. Sie hat sich mit ihren 31 Jahren einen Skiwechsel zu Atomic verpasst und verwehrt sich auf das Heftigste, die RTL-Technik sei veraltet. Die Team-Seniorin aus Niederösterreich hat in der Vorbereitung mit Hermann Maier trainiert, nicht nur deshalb will sie beweisen, "dass es nicht Manneskraft bedarf, einen Atomic fahren zu können. Sie ist ja die einzige Atomic-Speed-Pilotin und die letzte ÖSV-Siegerin in Sölden.

Deutschland hat mit Riesch, Hilde Gerg und Martina Ertl gleich drei Mitfavoritinnen im Weltcup. Die 31-jährige Ertl überraschte sich im Vorjahr mit ihrem Sölden-Sieg aber selbst am meisten. Sie gilt am Samstag ebenso wieder als heiße Sieg-Anwärterin wie etwa die Spanieren Maria Jose Rienda Contreras. Fragt man aber ÖSV-Damenchef Herbert Mandl, wer für eine ähnliche Überraschung wie vor zwei Jahren Niki Hosp sorgen könnte, nennt er sofort Europacupsiegerin Katrin Zettel. "Sie hat sich in der Mannschaft bestens etabliert."(APA)

  • Renate Götschl beim Foto-Shooting.

    Renate Götschl beim Foto-Shooting.

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