"Laut, weil man uns die Bildung klaut"

19. Februar 2005, 14:56
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Studentendemonstration: "Schluss mit lustig" - Opposition solidarisiert sich

Wien - "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut", dröhnte es Donnerstagmittag bei der Studentendemo quer durch die Wiener Innenstadt. Über die Anzahl der frustriert-friedlichen Demonstranten, die von der Hauptuni zum Bildungsministerium zogen, war man sich auch bei dieser Demo nicht einig: Rund tausend Beteiligte waren es laut Exekutive, 2500 laut den Organisatoren ÖH und Studienrichtungsvertretung Publizistik.

"Für uns ist es ein deutliches Signal weiterzumachen", meinte Studentenvertreterin Kerstin Groß angesichts dieser Zahl. "Eigentlich sollten wir jede Woche demonstrieren", sagte auch Publizistikstudent Thomas Slatko. Die Zustände seien seit Jahren katastrophal. Theaterwissenschaftsstudentin Belinda Leitgeb wollte durch ihre Beteiligung endlich Leistungen für die Studiengebühren: "Ich sehe nicht ein, dass ich zahle und sich nichts verändert." Ausländische Studenten, wie die türkische Medieninformatikstudentin Büsra, äußerten Existenzängste: "Für mich ist es unmöglich, die doppelten Studiengebühren ohne Arbeitsbewilligung aufzubringen."

Auch Oppositionspolitiker zeigten sich solidarisch mit den Studierenden: "Was der Herr Grasser gerade mit den Unis macht, geht auf keine Kuhhaut", entrüstete sich die stellvertretende Bundessprecherin der Grünen, Eva Glawischnig. "Diese Demonstration ist ein Handlungsappell an Karl-Heinz Grasser", sagte sie zum STANDARD. Die Forderung der Rektorenkonferenz nach 100 Millionen Euro "muss einfach erfüllt werden". Auch SP-Wissenschaftssprecher Josef Broukal wanderte, Seite an Seite mit SP-Gemeinderätin Laura Rudas, inmitten der Studierenden: "Die Unis werden kaputtgespart. Dass es kein Geld gäbe, sei schlicht weg "eine Unwahrheit". Rudas: "Ich komme selbst seit einem Jahr in keine Seminare hinein."

Manfred Bobrowsky, Assistent am Publizistikinstitut, schloss sich dem Demonstrationszug an, weil auch er mit den "Bedingungen, unter welchen die Studierenden lernen müssen", nicht einverstanden ist. Dass der Diplomarbeitsstopp "schmerzt", sei ihm klar. "Aber wir mussten etwas unternehmen, das wehtut."

Donnerstagabend trafen sich dann Rektor Georg Winckler und Vertreter des überfüllten Publizistikinstituts zu einem Krisengespräch. "Es gibt zurzeit weder eine Zu-noch eine Absage über unsere drei geforderten Professorenstellen und eine Raumlösung", sagte Studienprogrammleiter Klaus Lojka vorher dem STANDARD. Für Dozent Frank Hartmann steht jedenfalls fest: "Drei zusätzliche Professoren werden das generelle Problem nicht lösen." (DER STANDARD, Printausgabe, 22.10.2004)

von Jan Marot und Bettina Reicher
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