"Es war ja nicht böse gemeint"

25. Oktober 2004, 08:58
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ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka verteidigt im E-Mail-Interview seinen "Suder-Bertl" und "Jammer-Dorli"-Stil

Im dritten Teil der Serie "Politik und Kommunikation" spricht ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka über seinen Kommunikationsstil. Wörter wie "Suder-Bertl" oder "Jammer-Dorli" seien nicht böse gemeint und die Sprache des Würstelstandes eben leicht verständlich, meint er zu Rainer Schüller.

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derStandard.at: Bundeskanzler Schüssel sagt des öfteren über einen längeren Zeitraum nichts. Sie hingegen sind der inoffizielle Österreich-Meister in Punkto Presseaussendungen. Warum diese Diskrepanz in der Quantität der Kommunikationsleistung? Welcher Weg ist besser?

Lopatka: Unterschiedliche Funktionen bringen unterschiedliche Anforderungen mit sich. Es gibt also keine allgemein gültigen Regeln – jeder ist Herr seiner Kommunikationsarbeit.

derStandard.at: Innerhalb der ÖVP gibt es bezüglich der Frage eines EU-Beitrittes der Türkei unterschiedliche Standpunkte. Die ÖVP hat sich, nachdem sie zunächst für den Nato-Beitritt war, in Alpbach nun wieder dagegen ausgesprochen. Die Harmonisierung der Pensionen wird von Teilen der ÖVP nicht gutgeheißen. Wo liegt der Unterschied zum von Ihnen als "konzeptloser Zick-Zack-Kurs der Murks-Brothers um Gusenbauer" bezeichneten SPÖ-Linie?

Lopatka: In der ÖVP ist in allen Fragen das Ziel, das wir anstreben, klar. Wir wollen ergebnisoffene Verhandlungen mit der Türkei, ein NATO-Beitritt steht für uns nicht zur Diskussion, die Harmonisierung der Pensionssysteme setzen wir plangemäß um. Bei der SPÖ kennt nicht einmal Alfred Gusenbauer das Ziel, geschweige denn sein 75 köpfiges Kompetenz-Team und schon gar nicht die Österreicherinnen und Österreicher.

derStandard.at: Sie verwenden in Ihren Presseaussendung gerne einen Jargon, der auch am Würstelstand zu hören ist. Aktuellste Beispiele: "Suder-Bertl" und "Jammer-Dorli" für die SPÖ-PolitikerInnen Bures und Darabos.

Lopatka: "Bertl" und "Dorli" sind geläufige steirische Kosenamen für Norbert und Doris. Sudern und Jammern ist die Lieblingsbeschäfigung der beiden. Die Sprache vom Würstelstand ist leicht verständlich.

derStandard.at: Halten Sie diesen Ton für angemessen?

Lopatka: Es war ja nicht böse gemeint, sondern zum Schmunzeln gedacht.

derStandard.at: Fallen Ihnen diese Wörter selbst ein, oder nehmen Sie dafür Hilfe in Anspruch?

Lopatka: Manches fällt mir selbst ein, anderes meinem Presse-Team.

derStandard.at: Warum hatten Sie eigentlich keinen Namen für Grünen-Chef Van der Bellen übrig, der mit seinem "Schulden-Karli" die Debatte ins Rollen brachte? Kann das als Zeichen für die Annäherung von Schwarz an Grün interpretiert werden?

Lopatka: Wenn ich an den Professor denke, schlafe ich immer ein und mein Schlaf ist politikfrei.

derStandard.at: Wie sehen Sie das Verhältnis der ÖVP zum ORF und zur Kronen Zeitung? Wie wird die Kommunikationsleistung der ÖVP dadurch beeinflusst?

Lopatka: Ich habe aufgehört, mich über Medien und deren Berichterstattung zu ärgern. Mein Verhältnis zum STANDARD ist kein anderes als zum ORF oder zur Krone.

derStandard.at: Stichwort "moderne Kommunikation". Die ÖVP diskutierte beim Bundeskongress, ob es künftig ein Recht auf Internet geben soll. Bundeskanzler Schüssel hat sich noch vor wenigen Jahren eher abfällig über die "Internetgeneration" geäußert. Hat es da ein Umdenken von Seiten der Partei gegeben?

Lopatka: Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hat sich nie abfällig über die Internetgeneration geäußert. Das Gegenteil ist der Fall, er hat Österreich im Bereich des e-governement schon jetzt von Rang auf 11 auf Rang 3 in Europa gebracht. Unser Ziel ist, die Nummer 1 zu werden.

derStandard.at: "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold" - Was halten Sie von diesem Sprichwort?

Lopatka: Um diese Weisheit wirklich zu verstehen, muss ich noch älter werden. Im Übrigen ist der Kurswert sowohl von Silber als auch von Gold ständigen Schwankungen unterworfen.

  • Lopatka: "Jeder ist Herr seiner Kommunikationsarbeit".
    foto: standard/cremer

    Lopatka: "Jeder ist Herr seiner Kommunikationsarbeit".

  • Beispiel einer Presseaussendung von Reinhold Lopatka

    Beispiel einer Presseaussendung von Reinhold Lopatka

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