Wie Eichhörnchen zum großen Vorrat

22. Februar 2005, 20:15
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Ansparpläne - monatliche Einzahlungen in Fonds - boomen - Bei Aktienprodukten können aber ohne Ablaufmanagement böse Überraschungen drohen - Mit Infografik

Ansparpläne sind ein Vehikel, das der Fondsindustrie zwei wesentliche Vorteile bringt: Erstens können solcherart auch sehr junge und wenig vermögende Kunden gewonnen werden, zweitens schaffen sie langfristige Bindungen und Mittelzuflüsse für die Produkte. Denn monatliches Einzahlen von 30, 50 oder 100 Euro für den Vermögensaufbau lohnt für Anleger nur über lange Zeiträume, also etwa 20 Jahre.

Beworben werden sie meist als Aktieninvestment für die kleine Börse und als Weg zu ordentlichem Vermögen via laufend geringem Konsumverzicht. Entsprechend tief sind die Einstiegsschwellen, in manche Fonds (auch in die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge) kann schon ab 20 Euro monatlich eingezahlt werden.

Realistische Verzinsungsannahmen und Nettorechnungen

Allerdings: Bei der Berechnung des solcherart zusammen gesparten Vermögens tun realistische Verzinsungsannahmen und Nettorechnungen (nach Steuern und Spesen) gut. Laufend achtprozentige Erträge machen zwar steile Kurven in den prognostizierten Kapitalzuwächsen, vierprozentige Szenarien vergleichsweise ebenfalls durchrechnen zu lassen, stellt die Kundenerwartung aber auf realistischere Grundlagen.

Ein wesentlicher Faktor bei den stetig anwachsenden Fondsvolumen in Österreich - bei den heimischen Gesellschaften liegen mittlerweile 120 Mrd. Euro - dürfte aber die steigende Beliebtheit von Ansparplänen zuzuschreiben sein.

Anlegernutzen

Zwei Vorteile haben solche Kapitalpläne aber in jedem Fall für die Anleger: Sie sind damit relativ immun gegen Schwankungen der Kapitalmärkte und können den Zinseszinseffekt lukrieren, der durch wieder veranlagen des Kapitals dieses nicht linear sondern um einen gewissen exponentiellen Faktor vermehrt.

Die Immunisierung gegen das Auf und Ab bei Fondskursen funktioniert über das so genannte Cost-Averaging: Wer regelmäßig 35 Euro monatlich einzahlt, kauft bei hohen Kursen wenig Fondsanteile, bei tiefen Kursen aber mehr Fondsanteile. Steigt dann der Fondskurs wieder, geht es mit mehr Anteilen bergauf, die Partizipation am Gewinn ist daher überdurchschnittlich.

Ausstiegszeitpunkt klar definieren

Wichtig ist für Anleger dabei lediglich, den Ausstiegszeitpunkt klar zu definieren, vor allem wenn das Investment in Aktienprodukte läuft, denn: Tiefe Fondskurse kurz vor Entnahme des Angesparten bringen nur Verluste. Ein so genanntes Ablaufmanagement, also sukzessives Umschichten in sicherere Anlageformen (etwa Anleihen) sichert das Vermögen und schützt vor bösen Überraschungen.

"Am besten", so Johann Griener, Sales-Chef für Publikumsprodukte bei der Erste Sparinvest, sei die Kombination von Einmalerlag mit folgenden laufenden Ansparplänen. Denn dann könne der Zinseszinseffekt frühest möglich wirken und sich mit dem Cost-Averaging optimal paaren.

Wer wirklich gut schlafen wolle, der solle sich überhaupt gleich nach Ansparplänen in Rentenfonds umsehen. Griener führt dabei nicht nur einen steuerlichen Vorteil (steuerfrei Kursgewinne reduzieren die Kapitalertragsteuer) sondern auch wesentlich ruhigere Kursentwicklung ins Treffen.

Seiner Erfahrung nach "vergessen" die meisten Kunden, ihre Aktiensparpläne zum Laufzeitende in Renten rück zu führen. Griener: "das braucht man bei einem Rentenfonds nicht".

Breites Angebot

Angeboten werden Ansparpläne auf Rentenfonds praktisch von allen Fondsgesellschaften, bloß nicht so heftig beworben wie das Aktiensparen.

Das mag damit zusammen hängen, dass mit Aktienfonds tendenziell mehr Spesen zu verdienen sind. Kleinanleger stabilisieren zwar die Fonds, Ansparpläne verursachen aber andererseits auch viel Verwaltungsaufwand. (Karin BauerDER STANDARD Printausgabe, 21.10.2004)

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