150 Geschichten vom richtigen Moment - Die sieben Fotografen auf einen Blick

21. November 2005, 19:05
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Corn kam zur eigenen Ausstellung durch die Küche - der sprichwörtliche "andere Zugang" verpflichtet eben Mit Video




Mit 16 ist man in einem schwierigen Alter. Buben wollen da meist mit dem Kopf durch die Wand - und das auch noch dort, wo sie am dicksten ist. Insofern war es kein Zufall, dass sich Heribert Corn Dienstagabend weigerte - vom Ring kommend - rund um die Hofburg zur Nationalbibliothek zu wandern, sondern par tout den Hintereingang im Burggarten nehmen wollte: Corn kam zur eigenen Ausstellung durch die Küche - der sprichwörtliche "andere Zugang" verpflichtet eben.

Ein Blick genügt

Freilich betrat das Gros der knapp 400 Gäste der Eröffnung der Ausstellung "16 Jahre Zeitgeschehen" die Nationalbibliothek durch den Haupteingang (ansonsten hätten die Do&Co-Köche und Kellner wohl revoltiert). Ebendorthin - genauer: in den Prunksaal - hatte man geladen, um anlässlich des 16. Geburtstages des STANDARD einen repräsentativen Querschnitt der Arbeit jener Menschen zu zeigen, die seit der Gründung des Blattes maßgeblich für den auf den ersten Blick offenkundigen Unterschied zu anderen Zeitungen verantwortlich zeichnen: Die Fotografen.

Bildgestammel

Vor 1988, erinnerte sich da Rudolf Semotan, von der Gründung ebendann bis 1999 beim STANDARD, habe man in der österreichischen Presselandschaft nicht wirklich von einer "Bildsprache sprechen können - das war bestenfalls ein Bildgestammel: Schönfotos von Politikern, bei denen noch hineininterveniert worden ist. Der STANDARD hat das geändert. Dieses Beispiel hat zum Glück Schule gemacht."

Und wenn man den 150 - aus rund eineinhalb Millionen digital gespeicherten und ein paar Hunderttausend papierenen Archivbildern ausgewählten - Bildern von Regine Hendrich, Heribert Corn, Matthias Cremer, Christian Fischer, Robert Newald, Semotan und Andreas Urban unbeding einen Vorwurf machen will, dann höchstens den: Vom "historischen" Ausgangszustand des PR-Bildes als Normalität der Pressefotografie ist in der Ausstellung nichts, aber auch gar nichts zu sehen.

Sekunden zählen

Die Kunst des guten Fotografen, lobte Erich Lessing, Ausstellungskurator und Grandseigneur österreichischen Fotografie, sei schließlich der immer wieder erbrachte Beweis, dass "es möglich ist, einen Menschen in einem Bruchteil einer Sekunde zu erfassen - wenn man den richtigen Moment wählt."

Und auch der örtliche Bezug zur Nationalbibliothek, dankte Lessing deren Direktorin Johanna Rachinger für die Gastfreundschaft im barocken Archiv, sei evident. Eingedenk des Satzes des verstorbenen Robert Hochner, wonach das Archiv die "Rache des Journalisten" sei, sei dessen Wahrspruch zu erweitern: Während jeder Text zu hinterfragen sei - fange das (unbearbeitete) Pressefoto den Augenblick authentisch und unbestechlich ein. "Die Rache der Geschichte", schloss Lessing, "ist das Bildarchiv." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD Printausagbe 21.10.2004)

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