20.10.: Zentraler Bucheinkauf des Bundes wieder Diskussionsstoff

9. Dezember 2004, 13:04
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SPÖ: "Wenn dezentrale Strukturen weg brechen, bleiben Monopolisten übrig" - ÖVP: "Typische Angstmacherei der SPÖ"

Wien - Am 1. Jänner soll die umstrittene Zentralisierung des Bucheinkaufs für Bundesinstitutionen in Kraft treten. Gestern, Dienstag, Abend wurde in Wien auf einer Veranstaltung der Österreichischen Gesellschaft für Kulturpolitik das Thema erneut diskutiert. Für SP-Kultursprecherin Christine Muttonen ist die Regelung unvereinbar mit dem Gesetz der Buchpreisbindung, SP-Budgetsprecher Christoph Matznetter befürchtete, dass die Zentralisierung weiter fortschreiten werde und auch in anderen Branchen die Existenzen kleiner und mittlerer Händler gefährden werde.

Hauptverbands-Präsident: Warum überhaupt neue Struktur?

Alexander Potyka, Hauptverbands-Präsident des Österreichischen Buchhandels, betonte, dass in der bestehenden Struktur die Versorgung für den Buchhandel immer problemlos funktionierte und es unverständlich sei, warum durch die zentrale Vergabe eine neue Struktur aufgebaut werden müsse. Auch befürchtete er laut Aussendung des SP-Pressedienstes, dass als Folgewirkung auch die Länder auf das Modell zurückgreifen könnten.

Pfoser, Büchereien Wien: "Buchhändler vor Ort in den Einkauf wieder miteinbeziehen"

Alfred Pfoser, Leiter der Büchereien Wien, meinte: "Es geht dabei nicht nur um den Ankauf von Büchern, sondern um eine Leistungskette." Die Aktualität der Bücher könne nicht mehr gewährleistet werden, eine ganze Infrastruktur drohe zusammenzubrechen. Seine Folgerung: "Die Buchhändler vor Ort müssen in den Einkauf wieder miteinbezogen werden." Und Muttonen: "Wenn dezentrale Strukturen weg brechen, bleiben die Monopolisten übrig." Für Matznetter ist das neue Monopol der Grund, warum "letztendlich teurer eingekauft werden wird, als es jetzt der Fall ist."

Wolfmayr, ÖVP: "völlig unbegründete" Vorwürfe

In einer Aussendung konterte VP-Kultursprecherin Andrea Wolfmayr und bezeichnete die Aussagen von Muttonen und Matznetter als "völlig unbegründete, aber typische Angstmacherei der SPÖ": "Offenbar muss man die beiden Abgeordneten daran erinnern, dass der Schulbuchhandel bereits von Anfang an von der Bundesbeschaffung ausgenommen wurde. Schulen und Bibliotheken können im regionalen Buchhandel kaufen und tun das auch."

Die Bundesbeschaffungsgesm.b.H. (BBG) hat nach einer Ausschreibung mit Morawa & Co einen Vertrag abgeschlossen, der mit 1. Jänner 2005 für die Dauer von zwei Jahren mit Verlängerungsmöglichkeit um weitere zwei Jahre in Kraft tritt. Für Diskussionen hatte dabei die Zentralisierung an sich sowie die Höhe der angebotenen Rabatthöhen gesorgt. (APA, 20.10.2004)

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