Chinesische Mauer bröckelt

1. Juli 2005, 14:22
4 Postings

Um Materialkosten zu sparen, haben sich Bauern und Bauunternehmer jahrelang an Chinas Wahrzeichen bedient

Viele Steine des historischen Gemäuers stecken in Wohnhäusern, Schulen und Straßen. Vielerorts treten die Chinesen so ihr mehr als 2000 Jahre altes kulturelles Erbe wörtlich mit Füßen.

"Es ist so schlimm geworden, dass wir nicht wissen, wie lang die Mauer noch ist, was zur Mauer gehört und was nicht", sagt der Sprecher der staatlichen Verwaltung für kulturelles Erbe, He Shuzhong. Auch der zunehmende Tourismus führt nicht zu mehr Verantwortungsbewusstsein, sondern eher zu künstlichen Wiederaufbauten von Teilstücken. Nur langsam beginnt sich die Regierung in Peking für die 1987 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärte Große Mauer zu interessieren.

"Viele Stücke fehlen. Viele Abschnitte haben sich in den vergangenen zehn Jahren vom Aussehen her stark verändert", beklagt He Shuzhong. Weniger als 2.500 Kilometer sind von der ehemals 6.300 Kilometer langen Mauer noch übrig. Lange Zeit hatte China sich damit gebrüstet, die Mauer sei das einzige von Menschenhand geschaffene Bauwerk, das sogar aus dem Weltall zu sehen sei - bis 2003 der erste chinesische Astronaut ins All flog und berichtete, er habe die Mauer nicht erkennen können.

Ein chinesischer UNESCO-Vertreter wirft seinem Heimatland "schlechtes Management" vor. Keine eigene Behörde sei für das Wahrzeichen zuständig. Im Haupttouristenort Badaling, nordwestlich von Peking, locken wieder aufgebaute Wandstücke neben Verkaufsständen zwar jedes Jahr rund fünf Millionen Besucher an. Doch nicht alle sind begeistert. "Es ist schrecklich", sagt die dänische Touristin Trine Maria Hoy. "Es war sehr künstlich."

Mit dem Bau der sich durch neun Provinzen ziehenden Mauer war in der Zeit der Qin-Dynastie (221-206) begonnen worden. Während der Ming-Dynastie (1368-1644) wurde sie als Schutzwall wiederaufgebaut. (apa)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.