Letzte Chance im Osten für Expansionsnachzügler

11. Februar 2005, 15:34
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Studie: Deutlich höhere Renditen in Mittel- und Südosteuropa als im Westen - "Aufschwung in Rumänien nicht aufzuhalten

Wien - Für österreichische Unternehmen, die die Ostöffnung bisher noch nicht als Gelegenheit zur Internationalisierung genützt haben, gibt es jetzt noch eine letzte Chance, auf den fahrenden Zug aufzuspringen und sich einen Teil der Märkte in Mittel- und Osteuropa zu sichern. Das ist das Ergebnis einer Studie von Contrast Management-Consulting, die am Dienstagabend in Wien präsentiert wurde. "In zehn Jahren ist auch dieses Opportunitätsfenster zu", resümierte Contrast-Chef und Co-Autor der Studie "Verkaufen und Produzieren im erweiterten Europa", Werner Hoffmann.

Insbesondere der Möbelhandel, der Textilhandel sowie der Elektro- und Elektronik-Handel seien bisher vor dem Gang nach Osten zurückgeschreckt - wobei aber Kika in Ungarn und Lutz in Tschechien bereits den Anfang gemacht hätten. "Elektro und Textil muss man vielleicht noch wachküssen", meinte der Leiter des Bereichs CEE bei Contrast, Ronald Nagy.

Höheres Wachstum

Die Eigenkapital-Rentabilität österreichischer Direktinvestitionen in den mittel- und osteuropäischen Ländern (MOEL) lag bisher teilweise im zweistelligen Prozentbereich (Slowakei, Ungarn, baltische Länder, Kroatien) und damit weit über den westeuropäischen Werten. Mit einem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum von 5 bis 7 Prozent werden die Länder in Zentral-, Ost- und Südeuropa in den kommenden Jahren neben Asien die stärksten Wachstumsmärkte der Welt sein. Allerdings müsse man diese Länder getrennt nach Absatzmarkt- und Produktionsstandort-Attraktivität beurteilen, geben die Studienautoren zu bedenken.

Auf Basis von 21 Erfolgskriterien wie Güterimporte, Risiko-Rating, Arbeitskosten, Korruptionsindex wurde in der Studie die Länder-Attraktivität sowohl für das Produzieren als auch für das Verkaufen von Gütern berechnet und daraus das Attraktivitätsportfolio erstellt. Die zentralen Absatzmärkte und Produktionsstandorte der Zukunft werden demnach Polen, Tschechien und die Slowakei sein. Ungarn, Slowenien und Kroatien gelten als die klassischen Absatzmärkte, während Ukraine, Bulgarien und Rumänien die Produktionsstandorte der Zukunft sein werden.

Kein Gesamtsieger

"Litauen, Estland und Lettland gelten als Nischenmärkte, weil diese Märkte relativ klein, weit von Österreich entfernt, und stark mit dem skandinavischen Wirtschaftsraum vernetzt sind. Weiters weisen diese Märkte ein vergleichsweise hohes Lohnniveau auf, wodurch sie als Produktionsstandort weniger attraktiv sind", meint Studien-Autor Nagy.

"Es existiert kein Gesamtsieger, die Länder schneiden je nach dem, ob der Fokus auf Verkauf oder Produktion gelegt wird, unterschiedlich ab. Polen beispielsweise ist sowohl als Verkaufs- als auch als Produktionsland attraktiv. Im Bereich Produktion wird Rumänien jedoch hinsichtlich einiger Standortkriterien in naher Zukunft bereits im Vorteil sein", erläutert Hoffmann.

Rumänien habe auch touristisches Potenzial und sei langfristig auch als Absatzmarkt interessant. "Wenn es gelingt, das politisch-rechtliche System zu stabilisieren, ist der Aufschwung in Rumänien nicht aufzuhalten", ist Hoffmann überzeugt. Dass die Rentabilität der Direktinvestitionen in Rumänien bisher noch gering sei, lasse sich mit den üblichen Anlaufverlusten erklären, da Rumänien von ausländischen Investoren später entdeckt worden sei als etwa Tschechien oder Ungarn. Zahlreiche österreichische Industrie- und Handelsunternehmen stünden kurz vor dem Markteintritt in Rumänien, was auch am deutlichen Anziehen der Immobilienpreise zu erkennen sei, so Nagy.(APA)

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