"192.000 Jobs und zehn Milliarden Euro"

6. April 2005, 17:04
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Jungunternehmer backen kleine Brötchen, heißt es. Doch ihr Beitrag zur öster­reichischen Wirtschaft wächst. Mehr Hightech wäre allerdings gefragt

Wien - Erstmals haben Wissenschaftler der Universität Klagenfurt gemeinsam mit der Jungen Wirtschaft der Wirtschaftskammer und dem Metis Institut im Rahmen der "Generation 21" Studie quantifiziert, was Jungunternehmer der österreichischen Wirtschaft an Jobs und Wachstum tatsächlich bringen.

Sie gingen davon aus, dass ein Unternehmen nicht nur Jobs in der eigenen Firma schafft, sondern auch bei Zulieferern, Kunden und Dienstleistern. Ein Unternehmensberater braucht zum Beispiel ein Büro, Computer, Botendienste, Steuerberater und Elektrizität und erzeugt dadurch Nachfrage.

Durch die daraus erzielten Einkünfte können mehr Menschen mehr konsumieren, dadurch steigt die Kaufkraft in allen Sektoren, so die Studie.

1 Neugründung = 6,8 Jobs

Das Ergebnis: Im Durchschnitt schafft eine Neugründung in Österreich drei Arbeitsplätze, 1,8 neue Stellen entstehen in vorgelagerten Sektoren und weitere zwei durch die Kaufkraft. Im ersten Jahr nach der Gründung hat ein Unternehmen also im Schnitt 6,8 Jobs geschaffen. Absolut gesehen entstehen in der Bau- und Energiebranche am meisten Jobs, rechnet man aber hinzu, in welchen Sparten die meisten Unternehmen gegründet werden, zeigen sich Unternehmensdienste, Handel und Reparatur als die stärksten Jobbringer.

Anders ausgedrückt, steuern Neugründungen nach einem Jahr 3,5 Prozent zur gesamten heimischen Wirtschaftsleistung bei. Hier zeigt sich, dass knapp zwei Drittel der gesamten Wertschöpfungseffekte aus den Branchen Handel, Realitäten und unternehmensbezogene Dienstleistungen entstehen, obwohl diese nur rund die Hälfte der Neugründungen ausmachen. Eine Firma alleine schafft im Schnitt einen Wertschöpfungseffekt von 324.000 Euro. Heuer entstehen also alleine durch Neugründungen 192.000 Jobs und 10 Milliarden Euro, errechnet Gottfried Haber, volkswirtschaftlicher Leiter der Studie.

Jungunternehmer könnten noch mehr zum langfristigen Job- und Wirtschaftswachstum Österreichs beitragen, wenn sie neue Branchen und somit neue Märkte erschließen würden, sagt Nikolaus Franke von der Abteilung für Entrepreneurship und Innovation an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU). "Ein Handwerker kann zwar ein gut laufendes Business haben, aber er schafft keinen neuen Wirtschaftszweig", so der Experte. "Arbeitsmarkttechnisch sind Gründungen in traditionellen Branchen ein Nullsummenspiel."

Mehr Gründungen in Biotechnologie und IT benötigt

Österreich bräuchte mehr Gründungen im Bereich Biotechnologie, IT oder ähnlichen Branchen, fordert Franke. "In diesen Branchen werden Duztende oder Hunderte Arbeitsplätze geschaffen." Hier hinke Österreich gemeinsam mit Deutschland und Italien Europas Hightech-Vorzeigeländern wie Finnland, Großbritannien und Irland noch gewaltig nach. Dies läge daran, dass in diesen Ländern mehr für Wissen und Bildung ausgegeben wird, so Franke.

Während sich die Anzahl der Neugründungen in Österreich in den letzten zehn Jahren verdoppelt hat, hat sich die Anzahl von Kapitalgesellschaften nur leicht erhöht, obwohl dort tendenziell mehr Jobs entstehen als in Einzelunternehmen. Von rund 14.600 Unternehmen, die 1993 gegründet wurden, waren 4.381 Kapitalgesellschaften, 2003 entstanden 4.610, bestätigt Rainer Ribing, Bundesgeschäftsführer der Jungen Wirtschaft und Leiter des Gründerservice Österreich. "Aber auch ein Tischler kann mehrere Angestellte haben", relativiert Ribing. Österreichs Selbstständigenquote liegt mit derzeit acht Prozent leicht unter dem Durchschnitt von 12,3 Prozent der "alten" EU-15 Staaten. (Nadja Hahn, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.10.2004)

  • Im ersten Jahr nach der Gründung hat ein Unternehmen im Schnitt 6,8 Jobs geschaffen.
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    Im ersten Jahr nach der Gründung hat ein Unternehmen im Schnitt 6,8 Jobs geschaffen.

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