Der Teufel schläft nie

18. Oktober 2004, 18:42
posten

Rauer Traum in Super 8: "Greendale" – ein Film von Neil Young alias Bernard Shakey

"A little love and affection / in everything you do ..." – Monatelang hat uns dieser Refrain verfolgt, nachdem Neil Young im vergangenen Jahr sein Album Greendale im Linzer Brucknerhaus präsentierte: Solo, "unplugged", wie man so schön sagt, umringt von einem exquisiten "Geräteschuppen" – Gitarren, Heimorgeln, Klavieren. Das war, ganz gelassen gesagt, einer der schönsten, unvergesslichsten Abende aller Zeiten.

Aber viele Wege führen nach Greendale, in diesen fiktiven kleinen Ort, in dem ein Großvater die Welt und die Schamlosigkeit der Medien nicht mehr versteht, eine Verkehrskontrolle fatal endet, junge Mädchen von neuen Hippietagen träumen und der Teufel nicht nur im Detail haust. Greendale, das Konzeptalbum, das auf die Solo-Liveperformances folgte, eingespielt mit Neil Youngs ewig bester Begleittruppe Crazy Horse, entfaltete elektrisch verstärkt erst recht einen grimmigen Drive, ja, und da war es erst recht wieder, fürs Autoradio wie für alle anderen Abspielmöglichkeiten in weitem Umkreis: "A little love and affection /in everything you do /will make the world a better place /with or without you."

Dazu dann seltsame Erzählungen "zwischen" den Songs, abgedruckt im Booklet und, eine veritable Überraschung: Der CD lag in der ersten, "exklusiven" Auflage ein erstaunlicher Bonustrack, ein weiterer Beweis für liebevolle Detailarbeit, quasi ein dritter Weg nach Greendale bei: Ein Film zur Musik, gedreht auf Super8, angelegt als verwackelter Tag- und Albtraum irgendwo zwischen Sean Penns Indian Runner und David Lynchs Twin Peaks – "inszeniert", oder eher improvisiert hat das ein gewisser Bernard Shakey, und das ist natürlich wieder kein anderer als Neil Young selbst, in dem der Kosmos in und rund um Greendale ganz offenkundig unüblich bildhafte Assoziationen weckte. Sagen wir es einmal so: Es ist nicht Youngs bester Film, den man da sieht, aber es ist einer seiner ersten, und die Musik, auch hier: Wahnsinn.

Jetzt Double Feature!

Wer dann, wenn man das jetzt bei der Viennale auf Großleinwand studiert, nachher übrigens noch einen vierten Weg ins Neil-Young-Country einschlagen möchte: Kürzlich ist schon wieder eine Neuedition von Greendale erschienen, diesmal mit einer Videoaufzeichnung einer Soloperformance. Fast schade, dass das jetzt in den Wiener Festivalkinos kein Double Feature ergibt. Aber es gilt auch so: "A little love and affection" – das kann man in andere Viennale-Projektionen weitertragen. Schöne Perspektive: Ein Festival als "better place" ...
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.10.2004)

Von
Claus Philipp

20.10., 11.00
Metro

23.10., 23.30
Urania
  • Artikelbild
    foto: shakey productions
Share if you care.