Lichter am Wasser

20. Oktober 2004, 18:13
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Ruhemomente für geplagte Augen: Der US-Filmemacher James Benning hat "13 Lakes" besucht - in Wien als Weltpremiere

Kontemplative Ruhemomente für das geplagte Auge im hektischen Durcheinander des Weltkinos: Die Arbeiten des US-amerikanischen Landschaftsfilmers James Benning sind auf der Viennale bereits so etwas wie ein Fixelement. Ein Zeichen dieser Verbundenheit ist nun auch der Umstand, dass sein jüngster Film 13 Lakes auf dem Festival seine Weltpremiere erleben wird.

Nach dem Abschluss seiner Kalifornien-Trilogie widmet sich Benning in 13 Lakes den großen US-Seen, indem er, wie gewohnt entlang einer mathematischen Struktur, 13 zehnminütige, unbewegte Einstellungen auf unterschiedliche Wasseroberflächen zueinander in Beziehung setzt. Aus deren Wechselspiel mit dem Licht und dem Wind, ihrem Konflikt mit dem Horizont, und den wenigen zivilisatorischen Spuren, die oft nur über die Tonebene aufscheinen, besteht der Film.

Bisweilen ist es nur ein aufklarender Himmel, der den See allmählich in eine andere Stimmung überführt, oder der plötzliche Donner eines Gewitters; dann wieder ist es ein Frachter, der wie in Zeitlupe das Bild durchkreuzt – und diesem derart erst den Eindruck von Tiefe gibt; oder der Wind führt Regie, wie beim Hiamna Lake in Alaska, wo die Gischt permanent die Richtung wechselt.

Seen haben Zeit: Die – selbst für Benning-Maßstäbe unübliche – Dauer der Einstellungen, die dem Betrachter viel Freiheit gewähren, bringt erst diese poetischen Wahrnehmungen hervor. Umgekehrt entwickelt sich zwischen den Einstellungen noch ein weiteres Spannungsverhältnis, das seinen Reiz aus dem Wechsel der Texturen bezieht: Den Salton Sea durchqueren unentwegt Motorboote, während auf dem Lake Superior Eisschollen treiben, im nächsten Bild steht der Lake Winnebego wiederum gespenstisch still.

Das romantische Prinzip in Bennings Arbeiten – der Filmemacher inmitten einer erhabenen Natur – scheint in 13 Lakes gegenüber dem materialistischen – der Raum als historisches Feld – zu überwiegen. Letzteres findet sich aber noch als Miniatur: Wenn in einer der schönsten Kompositionen, in welcher der Crater Lake ein Spiegelbild von Wolken und Umgebung wirft, aus dem Off Schüsse zu hören sind – dann wirkt das wie ein Verweis auf die Vertreibung der Native Americans, für die dieser Ort noch heilig war.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.10.2004)

Von
Dominik Kamalzadeh

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    foto: viennale
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