Weltklasse-Armutszeugnis

19. Februar 2005, 14:56
posten

Von Samo Kobenter

Es kam, wie es kommen musste und wie es den Buschtrommlern der "Weltklasse"-Unis vorhergesagt wurde: Die Universitäten haben zu wenig Personal, zu wenig Kapazitäten, zu wenig Geld. Ihre angebliche Strukturreform und Neuorganisation hat keines der seit langem schwelenden Probleme auch nur annähernd gelöst, und die Studierenden sind im Unterschied zu ihren Vorgängern mit der Zumutung konfrontiert, für dieses Angebot einer bildungspolitischen Frechheit auch noch zahlen zu müssen. Dass für das Publizistikinstitut der Universität Wien nun Betreuer im Ausland gesucht werden, um den Studierenden einen Abschluss zu sichern, ist ein Armutszeugnis der Sonder-, genauer: Weltklasse.

Die Regierung aber putzt sich ab. Bildungsministerin Elisabeth Gehrer schweigt nach gut kanzlerlichem Vorbild und weigert sich seit Jänner, mit den Studentenvertretern zu sprechen. Das entspricht durchaus ihrem Amtsverständnis, schließlich hat sie den Rektoren nicht den Rücken gestärkt und Organisationsfreiheit an den Hohen Schulen gegeben, um nun von Basiswapplern sekkiert zu werden. Insubordination, das.

VP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek hält fest, dass jede Uni ohnehin sechs Prozent mehr Budget bekommen hätte - also die Rechnung wäre interessant, vor allem wenn sie die Umschichtungen in den Budgets zugunsten der ausgegliederten Medizin-Unis und zulasten der restlichen darstellen würde. Außerdem seien die betroffenen Institute selber schuld, und wenn nicht die, dann die letzte sozialdemokratische Regierung. Die ist zwar erst fünf Jahre weg vom Fenster, aber das ist offenbar kein Zeitraum für eine Regierung, die in Jahrzehnten und Nulldefiziten über die Budgetzyklen hinweg denkt. (DER STANDARD, Printausgabe, 09. Oktober 2004)

Share if you care.