Subkutane Chip-Einpflanzung

22. Oktober 2004, 16:17
17 Postings

Applied Digital Solutions will Abrufbarkeit der Krankengeschichte rationalisieren - US-Gesundheitsbehörde gibt Erlaubnis

Washington - Ein Mikrochip, der unter der Haut eingepflanzt wird, ist nun von der US-Gesundheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration) für medizinische Zwecke genehmigt worden. Die in Florida angesiedelte Firma Applied Digital Solutions will ihre "VeriChips" genannten Mikrochips Patienten einpflanzen lassen, damit im Spital bzw. bei medizinischen Notfällen die Krankengeschichte schneller abrufbar ist. Kritiker warnen vor den Möglichkeiten einen eingepflanzten Chip zur Überwachung einzusetzen.

Daten abrufbar

Der etwa reiskorngroße Chip lässt sich mit einer Spritze am Arm unter die Haut implantieren. Mit einem eigenen Scanner, der über der Haut gleitet, wird eine 16-stellige Identifikations-Nummer abgerufen. Am Chip selber sollen sonst keine Daten gespeichert werden, mit der Nummer sollen dann die Daten der Krankengeschichte im Krankenhauscomputer wie Blutgruppe, Allergien, Medikamente etc. schnell einsehbar sein. Dadurch könnten insbesondere bei chronisch Kranken, etwa HIV-Infizierten, Diabetikern, Hepatitis-Kranken oder anderen die Behandlungen erleichtert werden, erwartet der Hersteller.

Datenschützer haben jedoch Bedenken, dass die Technologie nicht nur für Patienten eingesetzt wird. "Wenn sich diese Technik durchsetzt - und es ist noch nicht klar ob das passieren wird - dann beginnt erst die echte Diskussion mit einer Anwendung für Häftlinge und auf Bewährung Entlassene, und vielleicht auch für Besucher der USA. Weil bei diesen Gruppen besteht ein Interesse, diese Personen zu identifizieren und zu verfolgen", warnt der Direktor des Electronic Privacy Information Center, Marc Rotenberg, gegenüber der "New York Times".

Einpflanzung freiwillig

Die Firma Applied Digital Solutions versucht Bedenken gegen ihren VeriChip mit dem Hinweis zu zerstreuen, dass die Einpflanzung freiwillig sei. Bei einer Umfrage hätten sich 80 Prozent bereit gezeigt, den Chip für medizinische Zwecke einpflanzen zu lassen. Wenn sich die Technologie durchsetze, könne eine Einpflanzung für weitere Zwecke jedoch vom Staat angeordnet werden, wenn ein Chip etwa die "Hundemarke" für Soldaten oder Ausweise ersetze, warnen Kritiker. Die Freiwilligkeit ginge dann verloren. (APA)

  • Artikelbild
    derstandard.at
Share if you care.