Handy sprengt oft das Börsel

24. Oktober 2004, 15:30
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In Österreich wird mehr vom Handy telefoniert als vom Festnetz. Die gewonnene Mobilität hat ihren Preis - Mobiltelefone werden zur Schuldenfalle

Das Festnetz hat in einem gewissen Sinn auch etwas positiv Beharrliches. Will man über dieses jemand anrufen, muss man sich an einen (festen) Ort begeben, wo sich ein entsprechender Apparat befindet. Vom Handy hingegen lässt sich von jedem Ort und zu jeder Zeit ein Plauscherl führen.

90 Prozent der Bevölkerung besitzen Mobiltelefon

Ein Vorteil, der in Österreich sehr geschätzt wird. Rund 90 Prozent der Bevölkerung besitzen ein Mobiltelefon, manche gleich mehrere. Der Umsatz aller Handyprovider machte im vergangenen Jahr 3,18 Mrd. Euro aus, beim Festnetz hingegen lag er bei 1,63 Mrd. Euro.

Rechnungen

Die Mobilität macht sich aber nicht nur im allgemeinen Kommunikationsverhalten bemerkbar - jeder von uns wird täglich auf der Straße, in Geschäften etc. Zeuge von "inhaltsschweren" Handytelefonaten -, sondern lässt sich spätestens bei der nächsten Mobilfunkrechnung ablesen. Und diese ist in vielen Fällen höher, als das Geldbörsel hergibt. Die häufig unterschätzten Kosten für das Handy werden für viele so zur Schuldenfalle.

Handyschulden

"Jeder, der Schulden hat, hat auch Handyschulden", weiß Ronald Kotulski von der Wiener Schuldnerberatung KWH. Besonders betroffen davon seien Jugendliche und junge Leute bis 25 Jahren. "Das Problem bei den Handykosten ist, dass sie ja bis zur Rechnung gewissermaßen unsichtbar sind." Auch für Florian Hernder von der Linzer Beratungsstelle für Schuldner und Familien zeigt sich, dass das Handy immer mehr zur Einstiegsfalle ins Schuldenmachen wird. Offene Handyrechnungen in Höhe von 300 bis 400 Euro seien nicht selten. "Besonders für Mehrwertdienste geht jede Menge Geld drauf", berichtet Hernder.

Klingeltöne, Spiele oder Handylogos

"Vor allem Kinder und Jugendliche stehen auf Klingeltöne, Spiele oder Handylogos, die meist per Mehrwertnummer geordert werden - und geben dafür immense Summen aus", berichtet Paul Rusching von der Konsumentenschutzabteilung der Arbeiterkammer Vorarlberg. Als Beispiel aus der Praxis nennt er den Fall eines 13-Jährigen, der unwissentlich per SMS ein Klingelton-Abo bestellt hatte, das täglich einen neuen Klingelton übermittelte. Die Kosten von 1,99 Euro pro Tag wurden automatisch abgebucht bis - zum Glück - das Wertkartenguthaben aufgebraucht war. Sowohl Schuldnerberatung als auch Arbeiterkammer empfehlen daher insbesondere Eltern ihren Kindern statt eines Vertragshandys ein Wertkartenhandy zu kaufen, da sich die anlaufenden Kosten dabei relativ einfach kontrollieren lassen. Etwas, das sich auch Erwachsene beherzigen sollten, wenn die Telefonrechnung regelmäßig das Haushaltsbudget sprengt.

Kostencheck

Aus der Pflicht entlassen werden können beim "Schuldenproblem Handy" auch die Anbieter nicht. "Das Problem ist uns bewusst", sagt Mobilkom-Sprecherin Ursula Novotny. "Zwecks Kostenkontrolle bieten wir im Internet die Möglichkeit an, auf der Online-Bill nachzusehen, wie hoch die aktuelle Gesprächskosten sind." Auch gibt es eine Art Warnsystem. Wenn der durchschnittliche Betrag eines Kunden aus dem Rahmen fällt, erhält er ein oder zwei SMS, das darauf hinweist. "3" und One bieten unter anderem einen Kostencheck via Handy an. Bei One können Eltern zudem von ihren Vertragshandys Guthaben auf das Wertkartenhandy ihrer Kinder per SMS senden und so das Telefonieverhalten ihrer Sprösslinge mitsteuern. (Der Standard Printausgabe, 16/17 Oktober 2004, Karin Tzschentke)

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    bild: photodisc
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