Fliegen wird teurer: Airlines erhöhen Kerosinzuschläge

17. Dezember 2004, 12:52
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AUA erhöht Zuschläge per 15. Oktober - Billigflieger Ryanair kritisiert scharf: "Unrecht, unfair" - Mit Infografik

Wien - Die auf neue Rekordstände gestiegenen Rohölpreise treffen die treibstoffintensive Luftfahrtbranche besonders hart. Der Reihe nach erhöhen die Fluggesellschaften derzeit ihre bereits im Frühjahr oder Sommer eingeführten Kerosinzuschläge, um die gestiegenen Kosten damit abzufedern. In der vergangenen Woche haben unter anderem die deutsche Lufthansa, die heimische Austrian Airlines-Gruppe (AUA) mit Austrian, Lauda Air und Austrian arrows, Air France und British Airways ihre Treibstoffzuschläge in unterschiedlichem Ausmaß angehoben.

Bei den Kunden stoßen diese Maßnahmen bisher großteils auf Verständnis, versichern die Airlines: "Die meisten Kunden sehen die unmittelbaren Auswirkungen ja selbst, wenn sie mit dem Auto an die Tankstelle fahren", sagte AUA-Sprecherin Livia Dandrea.

AUA bei Zuschlägen im oberen Feld

Die Austrian Airlines-Gruppe kassiert ab kommendem Freitag (15. Oktober) für jeden Langstreckenflug 17 (bisher 9) Euro zusätzlich zum Ticketpreis, für Hin- und Rückflug sind das demnach 34 Euro zusätzlich. Für Australienflüge fallen 22 (bisher 12) Euro pro Ticket an, für Kurz- und Mittelstreckenflüge beträgt der Aufschlag je 7 Euro. Erstmals eingeführt wurde der Zuschlag mit 24. Mai, im August erfolgte eine erste Erhöhung. Damit liegt die AUA im europäischen Vergleich im oberen Feld.

"Die Maßnahme ist temporär, wenn die Ölpreise signifikant sinken, werden wir die Zuschläge wieder zurücknehmen", sagte Dandrea. Freilich: Auch eine mögliche weitere Erhöhung will und kann derzeit niemand ausschließen, wenn sich der Preisanstieg beim Rohöl so fortsetzt wie in den vergangenen Wochen. Bei der AUA machen Treibstoffkosten aktuell 10 bis 11 Prozent der Gesamtkosten aus. Bei Billigfluggesellschaften ist dieser Anteil naturgemäß höher, weil die Kostenstruktur generell geringer ist: Bei der Air Berlin fließen 20 Prozent der Gesamtkosten in Kerosin, im Vorjahr waren es noch 16 Prozent.

Ryanair bekräftigt: Keine Zuschläge

Manche der so genannten "Low-cost-Airlines" verzichten bewusst und medienwirksam auf einen Kerosinzuschlag, um ihre Wettbewerbsposition zu verbessern. So hat die irische Ryanair, Europas größter Billigflieger, Ende vergangener Woche seine "Zusage-Garantie" bekräftigt: "Ryanair wird im laufenden Jahr keinerlei Zuschläge einheben". An den von anderen eingehobenen Zuschlägen übt Ryanair-Managerin Caroline Baldwin heftige Kritik, in dem Fall konkret an der Lufthansa: "Es ist unrecht, unfair und alles andere als verbraucherfreundlich, dass Passagiere die bereits ein Lufthansa-Ticket gekauft haben, dessen Preis weit über dem Niveau der Ryanair-Tarife liegt, auch noch solch überzogene Zuschläge draufzahlen müssen".

Die bei Billigairlines übliche gestaffelte Preisstruktur ermöglicht allerdings auch "versteckte" Preiserhöhungen. Der beworbene Billigtarif bleibt aufrecht, die Staffelungen nach oben können aber vergrößert werden. Oder es werden weniger Sitzplätze in den günstigeren Kategorien angeboten.

Hedging

Wie stark sich die innerhalb weniger Monate um gut 50 Prozent höheren Einkaufspreise für den Flugzeugtreibstoff Kerosin auswirken, hängt von mehreren Faktoren ab - der Größe und Zusammensetzung der Flotte, dem Streckennetz und dem Ausmaß, in dem sich eine Fluggesellschaft gegen steigende Preise abgesichert hat. Die AUA hat im ersten Halbjahr 2004 um rund 19 Mio. Euro mehr für Treibstoff ausgegeben als im Vorjahreszeitraum, bei British Airways betrugen die Mehrkosten schon 225 Mio. Pfund (334 Mio. Euro). Die AUA hat ihren Treibstoffbedarf für 2004 - rund 800.000 Tonnen - zu 35 Prozent abgesichert, die Lufthansa ihren Bedarf um rund 90 Prozent. Die angeschlagene Swiss verkaufte im Vorjahr ihre Treibstoffabsicherung, weshalb sie von den Preisanstiegen stärker getroffen wird als andere.

Neben dem Hedging gibt es auch bei den Airlines einen gewissen "Tank-Tourismus": Auf der Mittel- und Kurzstrecke können Piloten selbst entscheiden, wie weit sie über den benötigten und per Computer errechneten Treibstoffbedarf hinaus Kerosin tanken wollen. "Das obliegt vollkommen dem Piloten", so Dandrea. Grundsätzlich sind zwar die Treibstoffkosten in Europa gleich hoch, doch die Ölfirmen heben ihrerseits an den Flughäfen Zuschläge in unterschiedlicher Höhe ein, woraus sich unterschiedliche Preise für die Airlines ergeben. Im Allgemeinen gilt: Je größer der Airport, desto günstiger ist der Treibstoff zu haben. Auf der Langstrecke lässt die limitierte Tankfüllung diesen Spielraum dagegen nicht zu. (APA)

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