Tele2 versetzt UTA einen Stromstoß

24. Oktober 2004, 18:51
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Nach langen Verhandlungen übernimmt die schwedische Tele2 für 193 Millionen Euro die UTA Telekom - Mit Infografik

Wien - Stimmen die Kartellbehörden zu, hat die Telekom Austria (TA) künftig um einen Konkurrenten weniger, dafür aber einen schärferen mehr: Am Mittwoch haben Landesenergieversorger und Raiffeisen den lang erwarteten Vertrag fixiert, der den Verkauf der UTA an den schwedischen Konkurrenten Tele2 besiegelt.

Nicht "einfach billig"

"Einfach billig" wie der Werbeslogan von Tele2 verspricht, ist die UTA Telekom freilich nicht: Die Schweden, mit 550.000 Sprach- und Internetkunden einer der schärfsten Konkurrenten von UTA und TA, zahlen 213 Mio. Euro für den größten alternativen Telekomanbieter in Österreich, wie Tele2-Österreich-Chef Norbert Wieser und Tele2-Vorstand Johnny Svedberg am Donnerstag in einer Pressekonferenz bekannt gaben.

Von den 193 Mio. Euro, die abzüglich der rund 20 Mio. Euro Verbindlichkeiten übrig bleiben, bekommen die acht Landesenergieerzeuger (74,9 Prozent) und Raiffeisen (25,1 Prozent) freilich nur rund 108 Mio. Euro.

Denn im Zuge des Verkaufs wird die Schuldenlast der UTA - sie wies 2003 erstmals einen operativen Gewinn aus und wird heuer erstmals ein positives Betriebsergebnis (Ebit) liefern - um 85 Mio. Euro erleichtert. Diese werden bei den bisherigen UTA-Müttern VTÖB und einem Raiffeisen-Ableger zwischengeparkt, sagte UTA-Aufsichtsratspräsident Herbert Hönlinger in einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Auch Kabel verkauft

Da die Stromversorger ihre UTA-Beteiligung längst auf Null abgeschrieben haben, sollte der Deal, der bis 2010 auch die Nutzung ihrer Telefonnetze durch Tele2 inkludiert, dennoch ein gutes Geschäft sein. Danach gehe das 4500 km lange UTA-Backbone in das Eigentum von Tele2 über, sagte Wieser. Entsprechende Vereinbarungen seien mit den Stromfirmen fixiert.

330 Millionen Euro Umsatz

Gemeinsam bringen Tele2 und UTA 330 Mio. Euro Umsatz und 500 Mitarbeiter auf die Waage. Überschneidungen bei den Kundensegmenten gebe es zwar, diese bestünden aber vor allem im Call-by-Call-Verkehr, großflächige Bereinigungen brauche es also nicht. Kündigungen sind derzeit nicht geplant. Schließlich habe die UTA viele Firmenkunden, Tele2 hingegen sei im Privatkundensegment sehr erfolgreich.

Dass Kartellbehörden und Telekomregulator bei der Prüfung der Übernahme und des Marktanteils des neuen Unternehmens (wird je nach Berechnungsmethode auf 30 bis 36 Prozent geschätzt, Anm.) einen Unterschied machen werden zwischen erworbenem Marktanteil (Tele2/UTA) und geerbtem (Telekom Austria), glaubt UTA-Chef Günther Ofner nicht.

Das könne wohl nicht sein, schließlich gingen bei der letzten Meile aufgrund der TA-Vorherrschaft 50 Prozent des Tele2/UTA-Umsatzes als Mietleitungs- und Zusammenschaltungsgebühren an die TA. Genau diesen Anteil will das fusionierte Unternehmen um 50 Prozent verringern. Weder Ofner noch Wieser erwarten Auflagen für den Zusammenschluss. (ung/DER STANDARD Printausgabe, 15.10.2004)

  • Infografik: Tele2 übernimmt UTA

    Infografik: Tele2 übernimmt UTA

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